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Das (Er)Leben von Familien in professionellen und informellen Netzwerken. Erste Ergebnisse einer Langzeitstudie

Laura Kassel
[Forum Gemeindepsychologie, Jg. 24 (2019), Ausgabe 2]

Zusammenfassung

In diesem Beitrag wird eine langfristig angelegte, qualitative Studie zu familiären (Unterstützungs-) Netzwerken und ihrer Entwicklung vorgestellt. Im Fokus steht dabei die Wahrnehmung der vorhandenen professionellen Beziehungen und der Veränderungen in den Netzwerken durch die interviewten Elternteile. Erste Ergebnisse zeigen die Bedeutung von wertschätzender Interaktionsgestaltung und der Auseinandersetzung mit Rollendefinitionen in professionellen Beziehungen. Es findet außerdem eine Auseinandersetzung mit Stabilität und Flexibilität der Netzwerke statt. Dabei werden erste Bezüge zu Handlungsmacht in der Gestaltbarkeit von Netzwerken und Navigationskapazitäten in der Angebotslandschaft hergestellt.

Schlüsselwörter: gesundheitliche Chancengleichheit, familiäre Netzwerke, langzeitliche Entwicklung, Handlungsmacht, Navigationskapazität

Summary

Families in networks of social support. First insights into a longitudinal study
In this article a longitudinal, qualitative study on family networks of social support and their development is presented. The main focus of the study is the parental perception of professional relationships and of the network development. First results show the importance of appreciative interaction and of comprehending the definition of professional roles. Furthermore, first ideas on the concept of agency in networks and the relevance of navigational capacity in supporting systems are discussed.

Keywords: equity in health, family networks, longitudinal development, agency, navigational capacity

1 Einführung

Der Lebenszusammenhang 'Familie'1 wird als primärer Sozialisationskontext beschrieben (Hurrelmann & Bauer, 2015). Die sozial-strukturell geprägten Lebensbedingungen von Familien beeinflussen, wie Kinder aufwachsen (Scherr & Bittlingmayer, 2009) und können zu sozialer Ungleichheit im Aufwachsen führen (Autorengruppe Bildungsberichterstattung, 2018; Robert Koch-Institut, 2018). Was als 'gelingendes' Aufwachsen bezeichnet wird, knüpft - jenseits von Fragen des Kinderschutzes - an gerechtigkeitstheoretische Diskurse an. Diese stehen vor der Herausforderung, sich einer Bestimmung des 'guten', gesunden Lebens bzw. dessen, was als förderungswürdig anerkannt wird, anzunähern.

'Handlungsbefähigung' wird mit Grundmann (2010) als zweidimensionaler Begriff verstanden und bietet einen Ansatzpunkt, sich mit der Frage des 'guten' Lebens auseinanderzusetzen. Das theoretische Konzept der Handlungsbefähigung wird nachfolgend aufgegriffen und um die Perspektive der sozialen Eingebundenheit - sowohl private (z. B. Freunde, Familie) als auch professionelle Beziehungen (z. B. pädagogische Fachkräfte, Ärzt*innen) und familiäre Lebenszusammenhänge - ergänzt. Gemeinsam bieten diese Positionen einen Rahmen für die anschließende Darstellung der empirischen Ergebnisse. Neben strukturellen Ansatzpunkten im Bildungssystem, aber auch gesamtpolitischen und -gesellschaftlichen Maßnahmen zum Abbau von (gesundheitlichen) Ungleichheiten (Bittlingmayer & Sahrai, 2008), soll die Frage gestellt werden, wie Familien so unterstützt werden können, dass Chancengleichheit im Aufwachsen verbessert werden kann.

2 Theoretischer Rahmen

Theoretische Grundlagen für die vorzustellende Studie bieten der Begriff der Handlungsbefähigung sowie die Diskurse um soziale Netzwerke und Beziehungen.

2.1 Handlungsbefähigung

Die Doppelperspektive des Begriffs der Handlungsbefähigung setzt sich zum einen aus der sozialwissenschaftlichen Rezeption des Capabilities Diskurses (Grundlagen: Sen, 2002; Nussbaum, 2014) und zum anderen aus Positionen des Agency-Diskurses (z. B. Bethmann et al., 2012) i. S. personaler Wirksamkeitserfahrungen zusammen (Grundmann, 2010). Sozialwissenschaftliche Rezeptionen des Capabilities Diskurses gehen von der Grundannahme aus, "dass unterschiedlich viele Ressourcen von Menschen [benötigt] werden, um als Gleiche auftreten zu können" (Ziegler, 2011, S. 118). Ein zentraler Begriff des Capabilities-Ansatzes sind die Verwirklichungschancen. Diese sind abzugrenzen von den tatsächlich umgesetzten Funktionsweisen (functionings) (Leßmann, 2011; Otto & Ziegler, 2010a). Die Verwirklichungschancen stellen die realen Möglichkeiten dar, sich für oder gegen Funktionsweisen entscheiden zu können. Der Capabilities-Ansatz richtet sich also weniger auf die tatsächlich realisierten Funktionsweisen, sondern auf die realen Freiheiten, sich zwischen verschiedenen Funktionsweisen entscheiden zu können (Ziegler et al., 2012). Menschen sollen so die Chance haben, "ein von ihnen mit Gründen für erstrebenswert gehaltenes Leben zu führen" (Sen, 2002, S. 108). Grundsätzlich steht der Capabilities-Ansatz vor dem Dilemma, auf der einen Seite in die Falle eines "Paternalismusproblem[s]" (Bittlingmayer & Ziegler, 2012, S. 35) zu geraten und auf der anderen Seite durch Nichtbeachtung der sozialen Bedingtheiten zu einer Verschleierung von Ungleichheit beizutragen. Dementsprechend wird zwar abgelehnt zu definieren, was als erstrebenswertes oder "gutes" Leben zu gelten hat (Otto & Ziegler, 2010b; Ziegler, 2011). Gleichzeitig kann jedoch nicht ignoriert werden, dass die individuelle Bewertung dessen, was als "guter" Lebensentwurf angesehen wird, abhängig ist von "der Erfahrungsgenese individueller Akteure, die sich vor dem Hintergrund kollektiv geteilter Lebensführungsweisen vollzieht" (Grundmann et al., 2013, S. 125). Ein Umgang mit dem aufgezeigten Dilemma kann in den von Nussbaum aufgestellten Basic-Capabilities gesehen werden. Mit dieser Liste von "für das menschliche Leben konstitutiven Grundfähigkeiten" (Nussbaum, 2014, S. 57f.) soll explizit nicht definiert werden, was als gutes Leben zu gelten hat, sondern lediglich eine Grundlage für einen selbstbestimmten Lebensentwurf geschaffen werden (Ziegler, 2011).

Wie bereits eingeführt, setzt sich der Begriff der Handlungsbefähigung nach Grundmann (2010) neben den gesellschaftlichen Möglichkeitsräumen ('Verwirklichungschancen') auch aus individuellen Wirksamkeitserfahrungen zusammen. Diese basieren auf sozial-strukturell bedingten, milieuspezifischen Alltagserfahrungen, die variierende Erfahrungen von Wirksamkeit bzw. Handlungsmächtigkeit2 ermöglichen. Wirksamkeitserfahrungen und Bewertungen der eigenen Handlungsmacht sind damit als sozial konstruiert zu bezeichnen, sie entstehen "in und durch Beziehungen" (Grundmann, 2010, S. 134f). Die (langfristige) Bedeutung von (Selbst)Wirksamkeitserfahrungen für das Erleben von Wirklichkeit und den künftigen Umgang damit wird auch aus entwicklungspsychologischer Perspektive unterstrichen (Fröhlich-Gildhoff, 2013). Abhängig von ihren Wirksamkeitserfahrungen und von u. a. milieu-, aber auch z. B. geschlechtsspezifischen Zuschreibungen Anderer bewerten sich Personen als mehr oder weniger handlungsfähig (bzw. -mächtig (Helfferich, 2012)). So entscheidet sich, "wie sehr sich die Betroffenen für eigene Belange und die Realisierung ihrer Ziele einsetzen oder frühzeitig verzagen" (Grundmann, 2010, S. 134).

2.2 Netzwerke und Beziehungen

Einleitend wurde die Frage aufgeworfen, wie Chancengleichheit im familiären Aufwachsen von Kindern verbessert werden kann. Da Handlungsbefähigung als zweidimensionaler Begriff aus gesellschaftlicher Ermöglichung (Verwirklichungschancen) und deren individuellen Verarbeitung (Erleben von Wirksamkeit und Einschätzung von Handlungsmächtigkeit) verstanden wird, ist Einflussnahme auf die Verbesserung gesundheitlicher Chancengleichheit auf verschiedenen Ebenen möglich. Sinnvoll erscheint sowohl die Beachtung der strukturellen "Kontextbedingungen individueller Lebensführung" (Kessl, 2005, S. 31) als auch der akteursbezogenen individuellen Bedingungen (Heite et al., 2007). Beide Dimensionen der Handlungsbefähigung sind nicht ausschließlich auf Ebene des Individuums oder auf der Makroebene sozial-strukturell zu verorten, sondern sind als sozial eingebettet und damit eng mit Beziehungen bzw. der Gesamtheit der Beziehungen (dem Netzwerk) verbunden zu verstehen (Grundmann, 2010, S. 134f). Das soziale Netzwerk, in das eine Familie eingebunden ist, spielt daher neben weiteren Faktoren eine wichtige Rolle für die familiäre Situation. Sozialen Netzwerken werden nicht ausschließlich positive Funktionen zugeschrieben. In bestimmten Kontexten kann die Eingebundenheit mit einem hohen Maß an sozialer Kontrolle verbunden sein (Laireiter, 2009, S. 84). Eine weitere zentrale Funktion sozialer Netzwerke stellt das Leisten sozialer Unterstützung dar (Glanz et al., 2008, S. 190; Laireiter, 2009, S. 84). Soziale Unterstützung außerhalb der Familie, sowohl aus dem privaten Umfeld als auch von professionellen Akteur*innen, konnte als ein Schutzfaktor für eine erfolgreiche Bewältigung von Entwicklungsaufgaben identifiziert werden (Fröhlich-Gildhoff, 2013). Neben den privaten Beziehungen sind für die vorliegende Studie insbesondere die professionellen Beziehungsnetzwerke von Interesse. Ein tragfähiges Arbeitsbündnis zwischen Professionellen und Adressat*innen3 wird als Grundlage für wirksame Unterstützungsleistungen verstanden (Schirmer, 2018). Eingebunden ist eine Arbeitsbeziehung in ein komplexes Gefüge aus verschiedensten Faktoren, wie z. B. die Anliegen und Bedürfnisse der Adressat*innen, die fachlichen und persönlichen Voraussetzungen der Professionellen oder das institutionelle Setting, verbunden mit entsprechenden Machtgefügen (Böhle et al., 2012). Dieses Verständnis entspricht dem Konzept der "Passung" (Hermer & Röhrle, 2008) als einer wichtigen Voraussetzung für als hilfreich wahrgenommene Arbeitsbeziehungen aus dem therapeutischen Bereich. Im Gegensatz zu privaten Beziehungen weisen professionelle Beziehungen meist einen höheren Anteil an Rollenförmigkeit auf. Passung entsteht dabei prozessartig und kann nicht als von Beginn an gegeben verstanden werden (Asendorpf et al., 2017). Über gegebene Faktoren hinaus wird der Aufbau einer hilfreichen Arbeitsbeziehung in der Interaktion beidseitig beeinflusst und kann auch als "professionelle Herstellungsleistung" (Böhle et al., 2012) verstanden werden. Der sozialen Interaktion zwischen den Beteiligten professioneller Beziehungen wird also in verschiedenen medizinischen und psycho-sozialen Feldern eine hohe Bedeutung für das "Gelingen" dieser beigemessen (Gahleitner, 2017; Girke, 2007; Tschuschke, 2016). Familiäre Beziehungsnetzwerke und darin geleistete Unterstützung sind Gegenstand verschiedener Studien. Diese sind mehrheitlich quantitativ und/oder querschnittlich angelegt (z. B. Baas, 2008; Günther et al., 2011; Hennig, 2006). Qualitative Untersuchungen zum Erleben sozialer Eingebundenheit und längsschnittliche Studien zur Entwicklung von (familiären) Netzwerken stellen ein Desiderat dar.

2 Fragestellungen

Relevant dafür, ob Netzwerke und ihre Beziehungen als unterstützend zu beschreiben sind, ist die subjektive Einschätzung und Bewertung der Beziehung sowie der Unterstützungsgestaltung (Laireiter & Lettner, 1993; Niepel, 1994). Vor dem Hintergrund des vorgestellten theoretischen Rahmens bezieht sich das empirische Interesse des vorliegenden Beitrags daher zum einen darauf, wie die vorhandenen professionellen Beziehungen von den Adressat*innen wahrgenommen werden. Um Erkenntnisse zur langfristigen Entwicklung familiärer Netzwerke zu erhalten, wird zum anderen die Entwicklung der Netzwerke fokussiert. Zur Analyse des Wandels wird das Konzept der Handlungsmacht (Agency) herangezogen. So kann thematisiert werden, welche Entwicklungen sich wie vollzogen haben, welche aktiven oder passiven Agency-Konstruktionen sich zeigen und wie die Gestaltbarkeit des Netzwerks wahrgenommen wird. Agency als sozialwissenschaftliche Heuristik richtet sich auf die Analyse von subjektiven Vorstellungen von Handlungsmächtigkeit also "wen oder was eine Erzählerin als handelndes Zentrum bestimmt, wie sie sich selbst dazu stellt, welche sonstigen Figuren oder Instanzen des Geschehens sie in welcher Form daran beteiligt sieht" (Lucius-Hoene, 2012, S. 44). Ausgegangen wird von "einer in sich widersprüchlichen Gleichzeitigkeit von sozialer Bestimmtheit und Selbstbestimmungsfähigkeit" (Scherr, 2012, S. 111) von Agency. Da Interviews auf die Konstruktion des Erlebten durch die Interviewten "beschränkt" sind, richtet sich auch die Analyse auf das Erleben der sozialen Determinierungen durch die Interviewten und nicht die Wirkung der Strukturen an sich.

Folgende Fragestellungen leiten vor diesem theoretischen Hintergrund das empirische Vorgehen der vorzustellenden Studie:

  1. Wie werden die vorhandenen (Unterstützungs-)Beziehungen wahrgenommen?
  2. Wie und warum verändert sich das von den Interviewten benannte Netzwerk über den Zeitraum parallel zur Lebenssituation?

3 Methodisches Vorgehen

Zur Bearbeitung der Fragestellungen wurden über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren 17 Familien - verstanden als "auf Dauer gestellte Lebensgemeinschaften, die durch mehr-generationale Beziehungen geprägt sind" (Uhlendorff et al., 2013, S. 43) - begleitet. Die Akquise der Familien fand über verschieden Akteur*innen aus den Bereichen Gesundheit, Kinder- und Jugendhilfe und Bildung in einer umgrenzten Region (Ortenaukreis in Baden-Württemberg4) statt (z. B. Beratungsstellen, Frühförderung, Kitas). Das Sample ist also geprägt von vorhandenen Kontakten zu professionellen Akteur*innen. Tabelle 1 gibt einen Überblick über die Konstellation der beteiligten Familien.


Unbenanntes Dokument

Tabelle 1: Zusammensetzung der Stichprobe zum ersten Erhebungszeitpunkt

Familie

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
Interviewte/r Geschlecht (2 = zwei erwachsene Personen) w w w m w w w 2 w w w w w w 2 w 2
Anzahl Kinder 4 6 2 2 2 2 2 2 1 2 2 1 4 1 2 2 5
Alter Kind/erNoch zuhause 2 1 1       1                    
Kita 2 1     1 1 1   1 2 2 1 3 1 2 1  
Schule   4 1 2 1 1   2         1     1 4
Älter                                 1
Alleinerziehend       X           X X X          
Berufstätigkeit Interviewte/r       X X X       X X X   X X X X
Migrationshintergrund         X X       X X X X   X   X
Gesamtzahl Interviews 5 6 2 5 5 6 5 5 5 5 5 2 5 5 3 2 4



Es wurde in einem halbjährigen Abstand je ein Familienmitglied pro Familie5 anhand eines teilstrukturieren Leitfadens interviewt. Bei jedem zweiten Interviewtermin wurde zusätzlich gemeinsam eine ego-zentrierte Netzwerkkarte erstellt. Dazu wurde offen gefragt, mit wem (Personen und Institutionen) die Familie in Beziehung steht. Diese Nennungen wurden auf Kärtchen notiert, die anschließend auf einer Pinnwand mit vier konzentrischen Kreisen (in der Mitte "sehr unterstützend" bis außen "gar nicht unterstützend") angeordnet wurden. So konnten 74 Interviews geführt werden. Durch die Verbindung von offenen, erzählgenerierenden Interviews und der Visualisierung der vorhandenen Beziehungen konnten die persönlichen Netzwerke aus der Perspektive der Interviewten und ihre individuellen Bedeutungen thematisiert werden (Henning & Federmann, 2018).

Die Interviews wurden vollständig transkribiert und auf drei Ebenen ausgewertet:
Erstens wurden die Netzwerkkarten und ihre Entwicklung deskriptiv hinsichtlich der Anzahl der Nennungen und der Zusammensetzung der Netzwerke aus privaten und professionellen Nennungen ausgewertet. Zweitens erfolgte eine inhaltsanalytische Auswertung aller Interviews nach Kuckartz (2016). Die Hauptkategorien (z. B. Lebenssituation oder Unterstützungsleistungen) wurden deduktiv aus den Fragestellungen abgeleitet. Alle weiteren Unterkategorien entstanden induktiv aus den Interviews. Drittens wird dem Vorgehen des Integrativen Basisverfahrens (Kruse, 2015) gefolgt. Das Integrative Basisverfahren bietet durch den Rückbezug auf verschiedene Analysetraditionen (z. B. Grounded Theory, Objektive Hermeneutik, Dokumentarische Methode) den Rahmen, möglichst gegenstands- und dem Textmaterial angemessen vorzugehen. Neben der inhaltlichen Ebene richtet sich das Verfahren auf (mikro-)sprachliche und kommunikative Phänomene. So soll u. a. durch Verlangsamung der Analyse einer vorschnellen Interpretation vorgebeugt werden. Darüber hinaus können, wie nachfolgend am Beispiel Agency verdeutlicht wird, verschiedene methodische oder gegenständliche Analyseheuristiken (Kruse, 2015) verwendet werden (z. B. Agency) (Bethmann et al., 2012).

Aufgrund des Materialumfangs werden zwei der von Kruse (2015) vorgeschlagenen, 'abkürzenden' Strategien eingesetzt:

  1. Die Analyse von ausgewählten Interviewteilen mit erzählerischem Charakter. Die Auswertung von selektierten Kernstellen steht in besonderem Maß vor der Problematik der Standortgebundenheit von Verstehen. Für die Auswahl der "dichten" Passagen bräuchte es im Idealfall bereits eine rekonstruktive Analyse. Im Umgang mit dieser Schwierigkeit wird auf eine Inventarisierung (Kruse, 2015) zurückgegriffen. Dazu kann in dieser Arbeit die Kategorisierung der qualitativen Inhaltsanalyse genutzt werden. Die auf diese Weise identifizierten Kernstellen werden dann sequenziell und auf den entsprechenden sprachlichen Aufmerksamkeitsebenen analysiert.
  2. Die rekonstruktive Analyse der Einstiegssequenzen aller Interviews des ersten Zeitpunkts von den Familien, mit denen mindestens fünf Interviews geführt wurden. So werden innerhalb des Gesamtsamples kontrastierend die Fälle identifiziert, deren Einzelfallentwicklung rekonstruiert werden soll. Es wird davon ausgegangen, dass in der Einstiegspassage bereits die zentralen Motive angelegt sind, die die Grundlage für die kontrastierende Fallauswahl bieten (Lucius-Hoene & Deppermann, 2004).


Eine weitere Verzahnung der beiden Auswertungsebenen erfolgt durch die Berücksichtigung der induktiven Kategorien der Inhaltsanalyse als forschungsgegenständliche Analyseheuristiken der rekonstruktiven Auswertung.

4 Einblicke in erste Ergebnisse6

Bevor im nächsten Abschnitt Einblicke in die von den Interviewten benannte Netzwerke und deren Entwicklung über den Zeitraum7 gegeben werden, soll zunächst die erste Fragestellung berücksichtigt werden. Diese bezieht sich auf die Wahrnehmung der vorhandenen Unterstützungsbeziehungen.

4.1 Wahrnehmung der vorhandenen (Unterstützungs-)Beziehungen

In der Analyse der leitfadengestützten Interviews konnte induktiv eine Vielzahl von Aspekten herausgearbeitet werden, die als Einflussfaktoren in den professionellen (Unterstützungs-)Beziehungen benannt wurden.

4.1.1 Interaktionsgestaltung

Die Gestaltung der Interaktion(en) wurde von den Befragten immer wieder als ein wichtiges, den Unterstützungsprozess prägendes Element dargestellt. Dabei zeigten sich verschiedene Kategorien als zentral für die Einschätzung der Interaktionssituation:

  • Anerkennung der sozialen Rolle,
  • ernst nehmen,
  • Offenheit für Meinungen, Ideen, Erlebnisse,
  • freundliche und angemessene Kommunikation,
  • Begegnung auf Augenhöhe,
  • Aufmerksamkeit und Zeit,
  • Ressourcen- statt Defizitorientierung.


Als ein zentraler Faktor wurde die Anerkennung, die einer Person in Bezug zu ihrer sozialen Rolle (hier: Eltern) entgegengebracht wird, identifiziert. Die Anerkennung der sozialen Rolle ist eng verbunden mit dem Gefühl, ernst genommen zu werden. Es werden z. B. Situationen geschildert, in denen eine Familie sich in einer finanziellen Notsituation befindet oder Eltern sich mit einem Anliegen an Kinderärzt*innen wenden:

 

"Okay versteh ich ja er hats ja studiert, ich hab nur ein buch gelesen aber wenn man dann immer so oder der is -ja des is halt er nimmt dann selber einen nicht für voll was ich dann halt schon nicht in ordnung finde" (133).


An diesem Zitat wird der Wunsch deutlich, ernstgenommen zu werden. Gleichzeitig wird die Frage erkennbar, wem in einer Situation die Handlungsmacht zugesprochen wird. Obwohl die Interviewte versucht, sich in die Perspektive ihres Gegenübers zu versetzen und das soziale "Prestige" (Küster & Thole, 2017) des 'Studierten' anerkennt, drückt sie die Ablehnung aus, sich bevormunden zu lassen. Der eigene, in diesem Fall akademische, Hintergrund der Mutter scheint in der beschriebenen Situation nicht von Bedeutung, da sie in ihrer Rolle als Mutter einem Professionellen begegnet und dabei nicht das Gefühl hat, auf Augenhöhe anerkannt zu werden. Die Begegnung auf Augenhöhe wird als zentraler Aspekt für eine positiv erlebte professionelle Beziehung herausgestellt. Dazu gehört auch der Eindruck, dass sich das Gegenüber Zeit nimmt und Aufmerksamkeit schenkt. Als wertvoll werden Gespräche benannt, in denen nicht das Gefühl besteht, "abgewürgt" (52) zu werden oder unter Zeitdruck zu stehen. Umgekehrt werden pauschale Diagnosen ohne ganzheitlichen Blick auf Kind und Gesamtsituation als negativ herausgestellt. Es werden Situationen beschrieben, in denen Eltern überrascht waren, Zeit und Aufmerksamkeit erhalten zu haben, da dies über die zugeschriebene Zuständigkeit der Professionellen hinausging. Als relevant wird auch eine Offenheit gegenüber Ideen und Meinungen von Eltern angeführt. Besonders deutlich wird das in Situationen, wenn Eltern das Gefühl haben, von einem 'Mainstream' abzuweichen (z. B. das Thema Impfungen oder anthroposophische Positionen). Offenheit und Ehrlichkeit werden auch in der Kommunikation als hilfreich dargestellt. Die Möglichkeit zur direkten Kommunikation sei wichtig, daher wird z. B. der Austausch mit der Schule über ein Buch als unangenehm beschrieben und dann nicht genutzt. Fehlende Höflichkeit (z. B. keine Begrüßungen) wird als negativer Faktor von Kommunikation benannt. Ein weiterer herausgearbeiteter Aspekt der Interaktionsgestaltung stellt die Orientierung an Ressourcen dar. So etwa, wenn das Bestärken in der elterlichen Rolle als Grund beschrieben wird, professionelle Akteur*innen aufzusuchen:

"Mir gehen zu der frau von der [Beratungsstelle] weil die isch NETT ((lacht)) die BESTÄRKT uns nämlich EHER als dass sie uns sagt was mir alles NET richtig machen" (101).


Hier markiert sich die Interviewte als die aktiv Gestaltende der Situation, es scheint Wahlmöglichkeiten zu geben. Das Bestärken, also die Orientierung an den Ressourcen wird in den Kontrast gesetzt zum Aufzeigen der Defizite, also dessen, was nicht richtig gemacht wird. Auch "Lob" von professionellen Personen wird als bedeutsam beschrieben:

"sie lObt vor alle dinge au mIch weil ich krieg sonscht nIrgendwo au lOb her und se dann - dann da immo mol wieder sAgt was sIe da schon geleischtet hen" (172).


Die Rolle als Elternteil wird also für gewöhnlich als mit wenig Anerkennung verbunden erlebt. Die Benennung der eigenen Leistungen durch eine Professionelle wird daher als besonders markiert und positiv hervorgehoben.

Sowohl die hier beschriebenen Interaktions- als auch die im nachfolgenden Abschnitt 4.1.2 benannten Aspekte der Beziehungsgestaltung wurden als Gründe für Wandel im Netzwerk angeführt. Dies wird auch im nachfolgenden Abschnitt 4.2 deutlich.

4.1.2 Beziehungsgestaltung

Neben den unmittelbar auf die Interaktion bezogenen Aspekten der Beziehungsgestaltung konnten weitere Faktoren herausgearbeitet werden, die nicht oder nur bedingt unmittelbar zu beeinflussen sind (also nicht auf die direkte Interaktion zu beziehen sind), sich aber trotzdem auf die Wahrnehmung der Beziehung auswirken. Vorgestellt werden die Felder Stabilität und Flexibilität sowie der Aspekt der Sicherheit. Diese sind nicht immer eindeutig als positiv oder negativ einzuordnen, sondern auf einem Kontinuum zu verorten und in ihrer Einschätzung abhängig vom Zusammenspiel verschiedenster Bedingungsfaktoren. Die präsentierten Einflussfaktoren sind jeweils in ein komplexes Situationsgefüge eingebunden und variieren z.B. mit der Funktion, die der jeweiligen Beziehung zugeschrieben wird, oder mit den situationsbezogenen Bedeutungszuschreibungen.

Stabilität und Flexibilität

In der Analyse der Netzwerkarten zeigen sich Entwicklungen, aber auch stabile professionelle Beziehungen (s. 4.2). Für die Bearbeitung der Fragstellung ist die Wahrnehmung von Flexibilität und Stabilität durch die Interviewten von Interesse. Die interviewten Eltern beschreiben Netzwerke auf der einen Seite als auf positive Weise flexibel und einem ständigen Wandel unterworfen. So etwa, wenn unterstützende Beziehungen an die Dynamik von Bedarfen geknüpft werden und damit situativ-zeitlich begrenzt sind:

"und vielleicht kOmmt jez wieder irgendein thEma von den jUngs oder von mIr wo ich dann wieder vielleicht so nem mEnsch begegnE ähm der mich einfach ein stÜck wieder weiterbrIngt also ja des war immer sO" (102).


Auf der anderen Seite wird auch die Bedeutung langfristiger Beziehungen hervorgehoben. Diese werden mit verschiedenen Vorteilen verbunden beschrieben:

"die is auch immer da wenn es brennt und die kommt ja jede zweite woche nach hause oder die sehen wir einmal die woche und die begleitet [Name Tochter] schon seit vielen jahren das ist auch immer s=s=so der anker" (144)


Die langfristige Beziehung wird hier also als "Anker" verstanden, der Verlässlichkeit und Sicherheit bietet. Das nicht nur im routinemäßigen, wöchentlichen Kontakt, sondern auch in Notfällen ("wenn es brennt"). Verbunden mit der Stabilität im Netzwerk werden Aspekte der Beziehungsgestaltung benannt, die ein Gefühl von Sicherheit bieten. So werden z. B. Professionelle als positiv beschrieben, die sich eigeninitiativ bei den Eltern melden. Dabei können sie sich nach dem Befinden erkundigen, nach Konflikten ein Aufarbeiten ermöglichen oder einfach die Beziehung aufrechterhalten. Auch die Recherche und Organisation von weiteren Unterstützungsmöglichkeiten und -kontakten wird hervorgehoben. Genauso wird bedauert, wenn z. B. Ämter nicht eigenständig am eigenen Fall 'dran bleiben', sondern die Eltern das Gefühl haben, immer wieder nachhaken zu müssen. Für nicht positiv erlebte oder nicht freiwillig bestehende Beziehungen, kann Instabilität i. S. einer Beendigung des Kontakts natürlich auch positiv belegt sein:

"also wo ich gedacht hab eigentlich bin ich froh dass ihr jetzt weg seit ich will ich möcht ich will des allein" (101).

Sicherheit

Obwohl die Interviewten auch die Flexibilität von Netzwerken und das Ende von nicht zufriedenstellenden professionellen Beziehungen als positiv bewerten, überwiegen positive Einschätzungen von langfristigen professionellen Beziehungen, die mit einem Gefühl von Sicherheit verbunden werden. Dabei wird z. B. betont, dass den Professionellen so das eigene Kind und seine Besonderheiten bekannt oder die Herausforderungen der eigenen Lebens- und Familiensituation bewusst sind und sie so besser unterstützen könnten. Hilfreich an einer langfristigen Beziehung sei auch, dass man sich als Elternteil nicht mehr fremd fühle:

"wir sind schon so lange dort er kennt meine kinder schon so lang von daher ich fühl mich nicht fremd dort" (22).


Als Sicherheit bietend beschreiben die Eltern außerdem das Wissen, spontan auf praktische Unterstützung zurückgreifen zu können. Dies kommt insbesondere bei Krankheit oder Terminen außerhalb der Reihe zum Tragen und wird hauptsächlich mit dem privaten Netzwerk assoziiert:

"w=wenn es hart auf hart kommt und ich HILfe brauche dann=dann s=sind die leute morgen hier (.) au=auch wenn die jetz weit weg wohn [hm mhm] u=un das gefühl is auch wichtich d=d=dass man da mehr sICHerheit hat und die hat man ja meistens in <<stimme bebt>der familie>" (145).


Steht dieses nicht zur Verfügung, z. B. aufgrund räumlicher Entfernung oder weil es individuell nicht leistbar ist, werden z. T. Alternativen beschrieben, etwa über nachbarschaftliche Beziehungen, Babysitter oder die Offenen Hilfen:

"un=und dann hat sie mir SPontAn (.) und d=das war ein SAMstag jemanden organisiert (.) der dann trotzdem da war also die=die sind unglaublich wa=was sowas angeht (.) und da=da wurden wir noch nie verSEtzt im stich gelassen" (145).


Die Sicherheit, kurzfristig Unterstützung erhalten zu können, wird nicht ausschließlich für praktische Unterstützung als bedeutsam beschrieben. Auch die Möglichkeit im Bedarfsfall spontan und ohne lange Wartezeiten Rat zu erhalten oder sich austauschen zu können wird als wichtig hervorgehoben:

"und ma darf sie dann au einfach anrufe mal also gab irgend ne eskalation ich habs jetzt schon lang nimmer gnutzt aber wo ich echt gedacht hab ich oh gott ich=ich packs nimmer ich=ich muss jetzt gANz kurz nur ich brauch nur ein wort von irgendjemand und hab se dann zufällig au erreicht dann hammer des kurz durchgschproche danach konnt ich mich dann wieder sortiere und dann liefs hier au wieder" (104).


Erreichbarkeit und Ansprechbarkeit sind daher wichtige, Sicherheit bietende Aspekte:

"wenn ich mal angerufen hab und er war net anwesend des isch hundertprozentig sicher dass er am selben tag noch zurückruft und wenns erst um viere ist oder so er ruft auf jeden fall noch zurück" (122).


Dementsprechend negativ bewertet wird, wenn Professionelle telefonisch nur schlecht zu erreichen sind oder der Kontakt zu Lehrkräften hauptsächlich schriftlich vorgesehen ist:

"ICH als ELTERNTEIL wenn ich irgendwie ne frage wenn ich was wissen will dann will ich DIREKT jemanden ansprechen dann will ich net das sie da irgendwie sagen äh wir möchten keine türgespräche" (23).

4.2 Netzwerke und ihre Entwicklung

Abbildung 1 gibt einen Überblick über die Zusammensetzung (privat und professionell) und die Entwicklung (über zweieinhalb Jahre) der von elf Familien8 benannten Netzwerke.


Abbildung 1: Zusammensetzung und Entwicklung der von elf Familien benannten Netzwerke

Wie bereits erwähnt, wurde bei jedem zweiten Interview eine neue Netzwerkkarte erstellt. Daher werden in Abbildung 1 pro Familie drei Netzwerkkarten (erster, dritter und fünfter Zeitpunkt) angeführt. Bei allen Familien lassen sich Veränderungen in den Netzwerken erkennen. So machte beispielsweise die Interviewte der Familie A zum ersten und fünften Zeitpunkt 17 Nennungen, bei dem dazwischen liegenden Zeitpunkt benannte sie hingegen 14 Personen bzw. Institutionen. Wie und warum es zu diesen Veränderungen kam, ist Gegenstand der weiteren Analyse. Die Übersicht in Abbildung 1 bietet den Hintergrund für die Bearbeitung der eigentlichen Fragestellung: Das Erleben der Netzwerke und ihrer Entwicklung durch die Interviewten. Festzustellen ist, dass Wandel und Entwicklung in Netzwerken nicht a priori als positiv oder negativ zu beurteilen sind, sondern von der Wahrnehmung der Beteiligten abhängen. Ähnliches gilt auch hinsichtlich der Größe von Netzwerken (Hollstein & Straus, 2006). Auch empirisch zeigt sich ein Spannungsfeld hinsichtlich der Einschätzung von Stabilität und Flexibilität (s. Abschnitt 4.1.2).

Um die Entwicklung und den Wandel in den familiären Netzwerken nachvollziehen zu können, wurden auf inhaltsanalytischer Ebene die in den Interviews benannten Gründe für Wandel kategorisiert. Zu neuen Nennungen im Netzwerk kam es entweder durch eine gewandelte Bedarfslage (z. B. aufgrund des Alters eines Kindes) oder eine veränderte Angebotslage (z. B. wurde ein neues Angebot gefunden). Für den Wegfall von zuvor benannten Akteur*innen aus dem Netzwerk konnten drei Kategorien von Begründungen identifiziert werden:

Ein Wandel der Bedarfslage (Analog zu den Gründen für neue Beziehungen): Beispielsweise fielen Nennungen weg, wenn eine Therapie erfolgreich beendet wurde oder nachdem Eltern die eigene Bedarfslage überdacht und neu eingeschätzt haben.
Negative Aspekte der Beziehung bzw. der Beziehungsgestaltung: Die aus den Interviews identifizierten Aspekte der Interaktions- und Beziehungsgestaltung werden in Abschnitt 4.1 ausgeführt. Als Gründe können in dieser Kategorie exemplarisch benannt werden: ein erlebter Mangel an individueller Ausrichtung an den eigenen Bedarfen oder ein fehlendes Gefühl von Anerkennung und Bestärkung.
Ungünstige Rahmenbedingungen der Angebote: Darunter fallen Aspekte wie z. B. unklare Zuständigkeiten oder Befristungen. Beides soll nachfolgend weiter ausgeführt werden.


Die Rahmenbedingungen der Angebote als Gründe für den Wegfall von Nennungen im Netzwerk können am Erlebnis einer Familie verdeutlicht werden: Die Familie hatte für ein Jahr ein "Haushaltsorganisationstraining" über die "Fachstelle Frühe Hilfen" erhalten. Als dieses ausgelaufen war, hatte sich die Interviewte eine Fortführung dieser Unterstützungsform gewünscht. In der Anbahnung der Fortführung waren dann zahlreiche Akteur*innen beteiligt (Jugendamt, Frühe Hilfe, Hausarzt, Krankenkasse), die z. T. widersprüchliche Auskünfte erteilten und - so die Wahrnehmung der Interviewten - sich über die Zuständigkeiten nicht einig waren. Die Befragte fasst diesen Prozess mit den Worten zusammen "ich hab es selber nachher nicht mehr verstanden" (102). Aus diesem Verlauf ist bis zum Ende des Interviewzeitraums kein erneutes "Haushaltsorganisationstraining" - das von der Interviewten als positiv und hilfreich bewertet wurde - hervorgegangen. An diesem Beispiel wird deutlich, wie die Strukturen der Angebotslandschaft mit den unterschiedlichen Regeln der Zuständigkeit zu einem 'Versanden' von Unterstützungswünschen führen können. Die pauschale zeitliche Befristung von Unterstützungsleistungen bietet hier keine Möglichkeit, auf individuelle Bedarfe einzugehen und verhindert eine in diesem Fall von der Interviewten gewünschte Stabilität im (professionellen) Netzwerk.

Auch das folgende Zitat gibt die Erfahrung einer Familie mit der Befristung einer Hilfeleistung wieder:

"die HEILPÄDAGOGIN dann (.) da war die zeit auch halt ZUENDE ich hätt sie gerne noch WEITA ghabt aber die frühe HILfe hän gsagt NEIN" (17.1).


Die Interviewte geht davon aus, dass Hilfen einer zeitlichen Befristung unterliegen. Die Handlungsmacht, darüber zu entscheiden, wer welche Unterstützung wie lange erhält, wird einer institutionalisierten Hilfeform und nicht personalisierten Akteuren zugeschrieben. Der eigene Wunsch hat in der beschriebenen Situation keine Berücksichtigung gefunden und wurde auch nicht verhandelt. Stattdessen wird das 'Nein' der Institution als unumstößliches Urteil markiert. Diese eher schwache Konstruktion von eigener Agency zeigt sich an vielen Stellen der rekonstruktiven Analyse der Interviews dieser Interviewpartnerin. Kontrastierend zu diesem Fall zeigen sich auch Eltern, die sich als aktive Gestalter*innen ihrer Netzwerke präsentieren. Die Rekonstruktion der Handlungsmacht und ihre Bedeutung für den Umgang mit professionellen Beziehungen und der Angebotslandschaft stellen einen Schwerpunkt der weiteren Analysen dar, auf die an dieser Stelle lediglich verwiesen werden kann.

Diskussion

Der Einblick in erste Ergebnisse der Studie zeigt, dass zum einen die Wahrnehmung sozialer Eingebundenheit Teil eines vielschichtigen Passungsgefüges ist und zum anderen sich Netzwerke aus unterschiedlichen Gründen entwickeln und verändern. In der abschließenden Diskussion werden zwei dieser Aspekte aufgegriffen:

1. In der Darstellung der induktiv entwickelten Kategorien zur Interaktionsgestaltung zeigte sich u. a. der Umgang mit den sozialen Rollen der beteiligten Personen als bedeutsam. Für die Bearbeitung der Fragestellungen ist von Interesse, wer in einer Situation welche Rolle einnimmt bzw. zugewiesen bekommt (Bitzan & Bolay, 2017) und wem sprachlich welche Handlungsmacht zugeschrieben wird (Lucius-Hoene, 2012). Diese Zuweisungen finden in einem komplexen Gefüge aus individuellen, sozialen und sozialpolitisch-strukturellen Bedingungen statt. Sie können nicht ausschließlich als individuelle Kompetenzen, Erfahrungen oder Positionen aufgefasst werden, sondern müssen in ihrer sozialen Verwobenheit der Verwirklichungschancen verstanden werden. Scherr (2012) beschreibt dieses Zusammenspiel als "widersprüchliche[n] Gleichzeitigkeit von sozialer Bestimmtheit und Selbstbestimmungsfähigkeit" (Scherr, 2012, S. 111). Auch aufgrund von strukturellen Positionen können Personen mit unterschiedlicher Handlungsmacht ausgestattet sein (z.B. Entscheidungsfreiheiten oder Möglichkeiten der Sanktionierung) (Bitzan & Bolay, 2017).

Die (weiteren) Analysen der Interviews werden sich auf die Rekonstruktion der von den Interviewten präsentierten elterlichen Handlungsmacht in Bezug auf (Unterstützungs-)Netzwerke und deren Entwicklungen beziehen. Um dem benannten paradoxen Wechselspiel aus gesellschaftlichen Möglichkeitsräumen und individuellen Wirksamkeitserfahrungen Rechnung zu tragen, müssen neben der individuumszentrierten Perspektive stets die strukturierenden Bedingungen mitgedacht und die Frage gestellt werden, "wie Handlungsmacht gesellschaftlich gefördert und abgesichert werden kann" (Homfeldt et al., 2008, S. 11).

2. Auch der Einfluss durch die Rahmenbedingungen der Angebotslandschaft auf die Netzwerke wurde herausgearbeitet. Es wurde deutlich, dass das Navigieren in der Angebotslandschaft und das Gestalten des eigenen Netzwerks von den Interviewten als voraussetzungsreich wahrgenommen werden. Die interviewten Eltern beschreiben ein hohes Maß an Ressourcen, das sie investieren müssen, um ihr Netzwerk zu gestalten oder um die Unterstützungsleistung zu erhalten, die sie als passend erleben. Neben grundlegenden (sozial)politischen Bedingungsfaktoren (z. B. Gestaltung von Arbeitszeit und Einkommen) zeigt sich hier ein Ansatzpunkt, um Chancengleichheit im Aufwachsen zu verbessern. Auf der einen Seite kann die Stabilität von familiären Netzwerken und das damit verbundene Gefühl von Sicherheit durch die Stärkung des privaten Netzwerks unterstützt werden (Nestmann, 2009). Aufbauend auf gelingende professionelle Beziehungen ist es das Ziel von Verselbstständigung, diese nicht als langfristigen Ersatz für private Beziehungen länger als nötig aufrecht zu erhalten. Wie die vorliegenden empirischen Daten zeigen, kann dieses Ziel den individuellen Einschätzungen und Wünschen der Adressat*innen widersprechen. Die beiden Positionen zu vereinbaren und zu verhindern, dass Beendigungen zu Frustrationen, Ohnmachtserleben und schließlich Verweigerung führen, kann als eine Herausforderung professioneller Praxis verstanden werden. Auf der anderen Seite kann die Flexibilität von Netzwerken und die Fluidität von professionellen Beziehungen durch den Ausbau von "navigational capacity" unterstützt werden. Appadurai (2013) geht von einer ungleichen Verteilung von "navigational capacity" innerhalb einer Gesellschaft aus. Damit entspricht er den Diskursen um Sozialkapital und Ungleichheit. Sozialkapital wird verstanden als ein Zugang zu Ressourcen, der ungleich verteilt ist (Diewald & Lüdicke, 2007). Die Ungleichheit der "navigational capacity" wird erklärt durch ein unterschiedliches Maß an vielfältigen Erfahrungsräumen, das abhängig von der sozialen Position zur Verfügung steht (Appadurai, 2013). Eine Möglichkeit, das Ausmaß potenzieller Erfahrungsräume zu erweitern, wird im Prinzip der Mentor*innen gesehen. El-Mafaalani (2014) zeigte in seiner Studie zu Bildungsaufsteiger*innen, dass in den meisten Fällen ein sozialer Pate oder eine soziale Patin am Aufstiegsprozess beteiligt war. Diesen Pat*innen oder Mentor*innen kommt, netzwerktheoretisch gesprochen, die Funktion von Brückenköpfen zu. So bieten sie den Zugang zu neuen Netzwerken und darin üblichen Stilen (Clemens, 2016). Auch in den untersuchten familiären Netzwerken der vorliegenden Studie konnten Personen identifiziert werden, denen eine solche Funktion zugesprochen werden kann. Die Erklärung dieser Zusammenhänge wird an anderer Stelle vorzunehmen sein. Um die Chancengleichheit im Aufwachsen zu verbessern, braucht es "einen nicht diskriminierenden lebensweltnahen Zugang zu förderlichen Angeboten von Kinder- und Jugendhilfe und Gesundheitssystem" (Keupp, 2010, S. 1012). Im Sinne der aus der Bildungsforschung vorgestellten Mentor*innen (El-Mafaalani, 2014) können Personen mit Lotsenfunktion Zugang zu unterschiedlichen Kontexten und das Navigieren in der Angebotslandschaft ermöglichen.

Endnoten

  1. Da die sozialen Wirklichkeiten familiären Zusammenlebens ein heterogenes Bild darstellen und untrennbar mit dem gesellschaftlichen, kulturellen und zeitlichen Kontext verknüpft sind, fällt es schwer, eine allgemeingültige Definition für den Familienbegriff zu formulieren (Helfferich, 2017, S. 27f.; Kuhnt & Steinbach, 2014). Für die Darstellung dieses Artikels wird Familie offen als gemeinschaftliche Lebensform mit Kindern definiert.
  2. Der Begriff der Handlungsmacht ist in den weiten Agency-Diskurs einzuordnen und steht für Fragen danach, "wer mit wem was in welcher Weise macht/machen kann" (Helfferich, 2012, S. 10). In dem zu bestimmen ist, ob "die Fähigkeiten oder die Möglichkeiten zum Handeln in den Vordergrund gestellt werden" (Helfferich, 2012, S. 9), schließt der Begriff unmittelbar an die Kernfragen sozialwissenschaftlicher Theorie an.
  3. In der Verwendung der Bezeichnungen "Professionelle" und "Adressat*in" ist der kritische Diskurs um damit verbundene Rollen- und Positionszuschreibungen zu beachten (Bitzan & Bolay, 2017).
  4. Die zugrunde liegende Studie ist eingebettet in das über vier Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (FKZ: 02K21B051) geförderte Praxis-Forschungsprojekt "Präventionsnetzwerk Ortenaukreis (PNO)".
  5. Zu allen Zeitpunkten wurde mit der gleichen Person innerhalb einer Familie gesprochen; in drei Fällen waren auf Wunsch der Familie zwei erwachsene Personen am Interview beteiligt.
  6. Zur Veranschaulichung werden in den nachfolgenden Darstellungen Interviewauszüge herangezogen. Zur Gewährleistung der Anonymität wurden alle erhobenen Interviews unabhängig vom Befragungszeitpunkt mit fortlaufenden Nummern versehen und können nicht mit der Stichprobenbeschreibung in Verbindung gebracht werden.
  7. Hinweis: Sofern es nicht ausdrücklich anders benannt wird, bezieht sich die Ergebnisdarstellung auf professionelle Beziehungen und Netzwerke.
  8. Dargestellt sind die Netzwerke der Interviewpartner*innen, von denen zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Beitrags jeweils drei Netzwerkkarten vorlagen. Daher weicht die Anzahl von den insgesamt 17 Interviewten ab.

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Autorin

Laura Kassel
kassel@bitte-keinen-spam-eh-freiburg.de

Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Zentrum für Kinder- und Jugendforschung im Forschungs- und Innovationsverbund FIVE e. V. an der Evangelischen Hochschule Freiburg.



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