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Frisch verheiratet und Mutter in einem neuen Land: was Heiratsmigrantinnen hilfreich finden

Gaby Straßburger & Meryem Ucan
[Forum Gemeindepsychologie, Jg. 14 (2009), Ausgabe 1]


Zusammenfassung

Sozialraumorientierte Treffpunkt-Angebote in Stadtteilen mit ausgeprägter ethnischer Vielfalt sind oft wichtige Anlaufstellen für Heiratsmigrantinnen. Wie lässt sich das erklären? Dieser Beitrag präsentiert eine netzwerktheoretische Hypothese: Heiratsmigrantinnen haben in Deutschland zunächst keine eigenen Bekannten. Ausgangspunkt ihrer Netzwerkbildung sind ihre Ehemänner und deren Familien. Doch darüber geknüpfte Kontakte gelten weniger ihnen als Person, sondern vielmehr ihrer Rolle als neues Familienmitglied. In den sozialen Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe oder Stadtteilarbeit finden sie dagegen Kontakte, in denen sie primär als Individuen zählen. Hier können sie sich als eigenverantwortlich handelnde Akteure ein Netzwerk aus selbst gewählten Kontakten aufbauen, die die familiengebundenen Netzwerke ergänzen und somit zu ihrer persönlichen Entfaltung und sozialen Integration beitragen.

Schlüsselwörter: Heiratsmigration, soziale Netzwerke, Sozialraumorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe, Stadtteilarbeit, interkulturelle Arbeit

Summary

Newly Married and a Mother in a New Country: What Marriage Migrants Find Helpful
Meeting places that provide social space in ethnically diverse urban neighborhoods are often important places for marriage migrants. How can that be explained? This essay presents a hypothesis based on network theory: marriage migrants in Germany initially have no friends of their own. Their husbands and their husbands’ families are the point of departure for building networks. But contacts established in this way are less about them as individuals than about their role as a new member of the family. By contrast, through the social opportunities of work with children, young people, or neighborhoods they establish contacts in which they matter primarily as individuals. There they can be self-sufficient actors and build a network of contacts they choose themselves that supplement their family networks and thus contribute to their personal development and social integration.

Key words: marriage migration, social networks, orientation in social space through aid to children and young people, neighborhood work, intercultural work



Soziale Arbeit muss auf ethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt reagieren, um dazu beizutragen, dass auch Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund gleichberechtigt an der Gesellschaft teilnehmen können. Hierbei liegt ein wichtiger Ansatzpunkt in der frühen Kindheit und in der Arbeit mit Familien. Im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung haben wir in diversen Projekten in Berlin-Neukölln untersucht, wie Angebote so gestaltet werden können, dass Migrantenfamilien sie als attraktiv und hilfreich erachten und entsprechend nutzen. Im Verlauf dieser Studie1 stießen wir zu unserem anfänglichen Erstaunen in erster Linie auf Nutzerinnen, denen eines gemeinsam ist: sie haben ihre Kindheit und Jugend in einem anderen Land verbracht und sind erst vor kurzem aufgrund einer Heirat nach Deutschland gekommen. Allem Anschein nach sind es also nicht so sehr Migrantinnen der zweiten oder dritten Generation, die die untersuchten Angebote nutzen, vielmehr scheinen Heiratsmigrantinnen diese Unterstützung besonders hilfreich zu finden.

Das fanden wir so bemerkenswert, dass wir in diesem Artikel darüber reflektieren wollen, womit diese Projekte den Bedürfnissen der Heiratsmigrantinnen entgegen kommen. Das scheint uns nicht zuletzt deshalb interessant, weil Heiratsmigration oft als Integrationshindernis gilt, da man negative Auswirkungen auf die Sozialisationsbedingungen der Kinder fürchtet, wenn ein Elternteil im Ausland aufgewachsen ist und von dort in aller Regel keine oder nur geringe Deutschkenntnisse mitbringt (s.u.).2 Gleichzeitig ist bekannt, dass viele Migranten und Migrantinnen der zweiten und dritten Generation Partner heiraten, die im Ausland aufgewachsen sind. Auch wenn es keine genauen Zahlen gibt, lässt sich doch vermuten, dass in vielen Stadtteilen ein Drittel oder sogar die Hälfte der Kinder mit Migrationshintergrund in einer Familie aufwächst, bei der ein Elternteil erst nach der Heirat nach Deutschland kam (vgl. Straßburger, 2000). Es handelt sich also keineswegs um eine Ausnahme und so scheint es uns angebracht, diesem Thema weiter nachzugehen.3

Dazu arbeiten wir zunächst einmal typische Merkmale der Lebenssituation von Heiratsmigrantinnen heraus, deren Mann einen Migrationshintergrund hat.4 Anschließend fragen wir, in welcher Hinsicht sie auf Unterstützung angewiesen sind, wo sie diese bekommen und/oder wo sie ihnen fehlt.

 

Klischees über Heiratsmigrantinnen

Dem bislang spärlichen wissenschaftlichen Kenntnisstand zur Lebenssituation von Heiratsmigrantinnen5, steht eine Fülle von Klischees gegenüber, die nahezu unhinterfragt verbreitet werden. Sie betreffen vor allem Heiratsmigrantinnen aus muslimisch geprägten Gesellschaften. Nachdem das Thema lange Zeit nur in Fachkreisen diskutiert worden war, hat es mittlerweile ziemlich große Popularität erlangt. Nicht zuletzt wegen des Buches von Necla Kelek „Die fremde Braut“ (2005).

Bei der Lektüre dieses Bestsellers gilt es zu beachten, dass sein Fokus – trotz des Titels – keineswegs auf Heiratsmigrantinnen gerichtet ist, sondern auf diverse Gewaltphänomene, die Kelek in der türkischen Bevölkerung beobachtet und kritisiert; insbesondere auf Zwangsehen. In diesem Kontext greift sie auch das Thema Heiratsmigration auf, da sie – berechtigterweise – davon ausgeht, dass sich Heiratsmigrantinnen wegen ihrer rechtlich und sozial relativ prekären Lebenslage, besonders schlecht wehren können, falls sie von einer Zwangsverheiratung betroffen sind.

Nun sollte man aber nicht im Umkehrschluss alle Heiratsmigrantinnen als Opfer von Zwangsehen betrachten. Schon der Begriff „Importbräute“, den Kelek verwendet, könnte dazu verleiten, anzunehmen, bei Heiratsmigrantinnen würde es sich in aller Regel nicht um selbstbestimmt handelnde Personen handeln, sondern um hilflose Opfer patriarchaler Verhältnisse. Die Schilderung der Lebenssituation von Heiratsmigrantinnen, die Kelek präsentiert, enthält leider obendrein eine Fülle von Verallgemeinerungen, die wenig zum Verständnis beitragen.


„Die typische Importbraut ist meist gerade eben 18 Jahre alt, stammt aus einem Dorf und hat in vier oder sechs Jahren notdürftig lesen und schreiben gelernt. Sie wird von ihren Eltern mit einem ihr unbekannten, vielleicht verwandten Mann türkischer Herkunft aus Deutschland verheiratet. … Sie wird tun müssen, was ihr Mann und ihre Schwiegermutter von ihr verlangen. Wenn sie nicht macht, was man ihr sagt, kann sie von ihrem Ehemann in die Türkei zurückgeschickt werden – das würde ihren sozialen oder realen Tod bedeuten. Sie wird bald ein, zwei, drei Kinder bekommen. Ohne das gilt sie nichts und könnte wieder verstoßen werden. Damit ist sie auf Jahre an das Haus gebunden. Da sie nichts von der deutschen Gesellschaft weiß und auch keine Gelegenheit hat, etwas zu erfahren, wenn es ihr niemand aus ihrer Familie gestattet, wird sie ihre Kinder so erziehen, wie sie es in der Türkei gesehen hat. Sie wird mit dem Kind türkisch sprechen, es so erziehen, wie sie erzogen wurde, nach islamischer Tradition. Sie wird in Deutschland leben, aber nie angekommen sein…

Kaum jemand spricht mit diesen Frauen, weil diese in der Öffentlichkeit meist auch gar nicht auftauchen. Sie sind in den Familien, in den Häusern versteckt, sie können sich nicht mit Deutschen verständigen, sie haben keinen Kontakt zu Menschen, die ihnen helfen könnten, zu Behörden, Sozialarbeitern oder Beratungsstellen. … Am ehesten trifft man diese Frauen in den Moscheen. … Mit den Deutschen wollen sie in der Regel gar nichts zu tun haben. Sie sprechen deren Sprache nicht, sie verstehen deren Kultur nicht, und die Lebensweise der Deutschen wird gerade von den überzeugt religiösen Musliminnen verachtet.“ (Kelek, 2005, S. 71ff)


Würde die Schilderung von Kelek zutreffen, wäre sie also wirklich typisch für das Gros der Heiratsmigrantinnen, dürften in den von uns untersuchten Projekten eigentlich kaum Heiratsmigrantinnen auftauchen. Weder hätten sie selbst ein Interesse daran, noch würde man es ihnen erlauben. Doch unsere Beobachtungen sprechen dagegen.6

Heiratsmigrantinnen in Neukölln: Merkmale ihrer Lebenssituation

Wir wollen versuchen, ein möglichst klischeefreies Bild der besonderen Lebenssituation von Heiratsmigrantinnen zu skizzieren. Die Informationen stammen aus vielen Begegnungen mit Heiratsmigrantinnen in diversen Neuköllner Projekten, die familienunterstützende Angebote anbieten.

Demnach haben Frauen, die aufgrund einer Eheschließung nach Deutschland kommen, bei ihrer Ankunft nur selten eigene Bekannte. Ihr zentraler Bezugspunkt sind daher in der ersten Zeit ihre Ehemänner und deren Familien. Diese fühlen sich dafür verantwortlich, ihrem neuen Familienmitglied Orientierung und Unterstützung in dem für sie fremden Land zu bieten. Und zwar in allen Bereichen des Alltags, angefangen beim Einkauf oder bei Arztbesuchen bis hin zur Initiierung von sozialen Kontakten.

Die Heiratsmigrantinnen haben viele Anforderungen zu bewältigen: die deutsche Sprache zu lernen, Zugang zum öffentlichen Leben zu finden, das neue Eheleben gut zu gestalten, ein Kind zu erziehen und nicht zuletzt neue Kontakte zu knüpfen. Um diese Situation zu verdeutlichen, möchten wir Meral Üsküdar7 zu Wort kommen lassen, eine 24-jährige Frau, die gerne bereit war, uns in mehreren ausführlichen Gesprächen ihre Situation zu schildern, die unseres Erachtens in vielerlei Hinsicht als typisch für viele Heiratsmigrantinnen erachtet werden kann, die wir im Lauf unserer Studie8 getroffen haben.

Frau Üsküdar hat ihren Mann vor drei Jahren in der Türkei kennen gelernt. Obwohl ihre Familie gegen die Heirat war und immer wieder versucht hat, sie davon abzubringen, hat sie sich für ihren Mann und damit für das Leben in Deutschland entschieden. Mittlerweile lebt sie seit zwei Jahren in Berlin. „Aber die Umstellung hatte ich mir wirklich einfacher vorgestellt.“ Besonders die Sehnsucht nach ihrer Familie und ihrem Bekanntenkreis machen ihr das Leben in Deutschland schwer. Ohne deren Rückhalt fühlt sie sich sehr unsicher. Verstärkt wird dieses Gefühl durch fehlende Kenntnisse über die hiesige Gesellschaft, vor allem aber durch die noch nicht ausreichenden deutschen Sprachkenntnisse. Es nervt sie ziemlich, immer wieder auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Auch ihr Ärger über die gängigen Fremdzuschreibungen kommt deutlich zum Ausdruck: „Ich weiß wohl, dass viele denken, wir wären nicht aus Liebe zu unserem Mann hierher gekommen, sondern wegen Deutschland. Wir sind für viele die ‘Dummerchen’, die hier außer Kochen und Putzen nichts zu tun haben.“ Sie wehrt sich gegen das Stereotyp der abhängigen Heiratsmigrantin aus dem türkischen Dorf, die in Deutschland eingesperrt ist, sich nicht wehren kann, ihre Schwiegermutter bedienen muss et cetera: „Die haben doch gar keine Ahnung!“Auch kann sie überhaupt nicht verstehen, wie negativ hier über die Türkei geredet wird. Vor allem die türkischen Mitbürger der zweiten Generation würden sehr abwertend über ihr Heimatland sprechen: von den unzureichenden, sozialen Dienstleistungen bis hin zu den katastrophalen Zuständen im Gesundheitssektor. Sogar erfolgreiche, akademische Abschlüsse würden hier als völlig wertlos angesehen, wenn sie in der Türkei erworben wurden. Frau Üsküdar fühlt sich in solchen Situationen häufig als „Repräsentantin ihres Landes“ angesprochen und dafür verantwortlich, die kritisierten Zustände zu rechtfertigen. Auf die Frage, ob sie auf derlei Kritik in der Türkei genauso reagieren würde, antwortet sie mit: „Vermutlich nein. Da würde ich vielleicht sogar selber vieles kritisieren. Aber das wäre dann Kritik von innen und nicht von außen. Das ist etwas völlig anderes.“

Wie dieses Beispiel zeigt, können Heiratsmigrantinnen – besonders in der Anfangsphase – nicht nur mit Einheimischen, sondern auch mit Landsleuten, die schon längere Zeit in Deutschland leben, in ziemlich schwierige Kommunikationssituationen kommen, die von zahlreichen Missverständnissen geprägt sind. Dabei brauchen Heiratsmigrantinnen gerade in der Anfangsphase besondere Unterstützung: Vor allem suchen sie Möglichkeiten, neue Kontakte zu knüpfen. Denn anders als ihre in Deutschland aufgewachsenen Altersgenossinnen der zweiten Migrantengeneration sind sie nicht bereits durch Schule, Ausbildung, Familie und Nachbarschaft sozial integriert. Sie müssen sich erst neue Netzwerke aufbauen und sind froh, wenn sie – z.B. in sozialen Projekten - Anknüpfungsmöglichkeiten dafür finden (s.u.).

Ein wichtiger Faktor, der die hohe Präsenz von Heiratsmigrantinnen in den von uns untersuchten Projekten erklärt, ist die dort gebotene Möglichkeit, sich auch Netzwerke aufzubauen, die nicht vom Ehepartner und dessen Familie ausgehen. In aller Regel haben die Heiratsmigrantinnen, die wir getroffen haben, zwar erstaunlich viele Kontakte, aber das Gros davon kam über die Familie zustande. Traditionellerweise führt eine Familie nach der Heirat ihr neues Mitglied in ihre sozialen Netzwerke ein, indem sie andere Familien besucht oder selbst Besuche empfängt. Die frisch gebackene Ehefrau lernt auf diese Weise meist innerhalb ziemlich kurzer Zeit viele Personen kennen. Doch all die Kontakte, die so hergestellt werden, gelten nicht der Frau als Individuum, sondern als neuem Mitglied der Familie ihres Mannes. Mit der Position der neu hinzugekommenen Braut [türkisch: gelin] sind bestimmte Erwartungen verbunden. Sie agiert in diesem Beziehungsgeflecht nicht (nur) als Individuum, sondern immer (auch) als Repräsentantin eines Haushalts. Ihr Verhalten wirkt auf das Ansehen des Haushaltes zurück. Diese Konstellation führt dazu, dass sich viele Heiratsmigrantinnen unter Druck gesetzt fühlen, ständig ein möglichst positives Bild von ihrer Person zu präsentieren. Das hindert sie bisweilen daran, ihre wahren Gefühle auszuleben. So könnte es beispielsweise als Kritik an der Familie ihres Mannes verstanden werden, wenn sie offen zeigen, wie sehr ihnen die Trennung von ihrer Familie und ihren Freunden zu schaffen macht. Letztlich gilt es bei den Kontakten, die über die Familie des Ehemannes hergestellt werden also immer auch, diplomatisches Geschick zu beweisen und sich seiner Position bewusst zu sein.

An dieser Stelle lässt sich in einem Zwischenfazit festhalten, dass die Lebenssituation der Heiratsmigrantinnen, die wir in Neukölln kennen gelernt haben, in sozialer Hinsicht wesentlich dadurch gekennzeichnet ist, dass sie über einen relativ großen Bekanntenkreis verfügen, in dem sie soziale Nähe finden. Sie sind nicht isoliert, sondern werden von der Familie ihres Mannes ziemlich schnell in ein funktionierendes Netzwerk eingebunden. Dadurch lernen sie auch viele Personen kennen, die die gleiche ethnische Herkunft haben und meist schon lange in Deutschland leben oder hier aufgewachsen sind. Dieses Netzwerk ist wichtig für sie und gibt ihnen gerade in der Anfangsphase das Gefühl dazuzugehören. Es ist wichtig, aber es reicht nicht aus.

Was Heiratsmigrantinnen oft vermissen, sind Kontakte, die nicht von der Familie ihres Mannes ausgehen, sondern von ihnen selbst gewählt wurden. Es sind Kontakte, in denen sie primär als Individuum gesehen werden und nicht als Mitglied eines Haushalts. Zudem suchen sie den Austausch mit anderen Frauen, die in der gleichen Situation sind wie sie selbst. Der Aufbau dieser Art von Kontakten gelingt ihnen in vielen der Projekte, die wir untersucht haben. Sowohl in offenen Treffs als auch in Sprachkursen gibt es zahlreiche Chancen, Kontakte zu knüpfen und sich so ein eigenes, unabhängiges Netzwerk zu schaffen. Hier können die Frauen zudem selbst entscheiden, wen sie gerne näher kennen lernen möchten. Ihre dort geknüpften Netzwerke sind daher sehr viel selektiver als diejenigen, in die sie über die Familie ihres Mannes eingebunden werden. In dieser Situation sind sie in erster Linie eigenverantwortlich handelnde Akteure, die sich ein Netzwerk aufbauen und nicht Mitglieder eines Haushalts, die in bestehende Netzwerke eingeführt werden.

Antworten der Sozialen Arbeit – der interkulturelle Mutter-Kind-Treff Shehrazad

Wir möchten nun zeigen, wie Soziale Arbeit auf die spezielle Situation der Heiratsmigrantinnen reagieren kann. Hierzu stellen wir exemplarisch ein Projekt aus Neukölln vor, das uns nicht nur im Rahmen mehrerer Interviews Einblick in seine Arbeit gewährt hat, sondern in dem wir auch die Möglichkeit hatten, teilnehmende Beobachtungen durchzuführen: der interkulturelle Mutter-Kind-Treff Shehrazad (vgl. Witt, 2006 und Straßburger/ Bestmann, 2006).

Shehrazad ähnelt in vielerlei Hinsicht anderen Treffangeboten wie z.B. Frühstücktreffs für Migrantinnen, die man in zahlreichen Projekten der Stadtteilarbeit und der sonstigen Sozialraumorientierten Sozialen Arbeit findet.9 Auch daran nehmen unserer Beobachtung nach schwerpunktmäßig Heiratsmigrantinnen teil, so dass wir davon ausgehen, dass vieles, was wir hier am Beispiel von Shehrazad diskutieren, auch für andere Projekte Gültigkeit hat. Eine Besonderheit von Shehrazad ist allerdings, dass es erfolgreich interkulturell ausgerichtet ist, was sich in der Teamzusammensetzung und folglich auch bei den Nutzerinnen widerspiegelt.

Das offene Angebot des interkulturellen Mutter-Kind-Treffs Shehrazad wird keineswegs ausschließlich von Heiratsmigrantinnen genutzt. Jedoch sind alle Frauen, die man als „Stammclique“ bezeichnen könnte, weil sie den Treff mit sehr hoher Frequenz aufsuchen, Heiratsmigrantinnen. Hier wird die Vermutung bestätigt, dass diese Frauen, die noch über keine differenzierten sozialen Netzwerke verfügen und aufgrund kultureller Barrieren kaum außerfamiliäre Kontakte haben, solche Angebote sehr gerne und intensiv nutzen. In vielen Interviews mit den Nutzerinnen des Treffs wurde deutlich, dass die Frauen unter der migrationsbedingten Isolation bzw. Beschränkung auf die Familie leiden und sich sehr freuen, neue Kontakte knüpfen zu können:


„Zuhause bin ich alleine, ich habe hier in Deutschland keine Freunde, ich bin ja auch erst seit fünf Jahren hier. Ich habe auch keine Kontakte zu Nachbarn. Aber hier im Shehrazad sind viele Frauen. Ich kann herkommen, wann ich will, kann über alles Mögliche reden und einfach mit anderen zusammen sein. Das ist besser für mich und für meine Kinder.“


Auch die Angehörigen ihrer Schwiegerfamilien, und besonders die Ehemänner, begrüßen die Aktivität der Frauen in diesem Projekt. Sie fühlen sich nach Aussage der befragten Frauen dafür verantwortlich, ihrer Ehefrau hier ein glückliches Leben zu bieten. Das bedeutet unter anderem, zu verhindern, dass sie den ganzen Tag isoliert zu Hause sitzt – von Heimweh geplagt oder durch die neue Rolle in dem fremden Land verunsichert. Die Männer wünschen sich genauso wie ihre Frauen, dass diese sich weiterentwickeln, deutsch lernen, sich über Erziehungsfragen informieren und sinnvollen Freizeitaktivitäten nachgehen. Eine Heiratsmigrantin, die oft im Shehrazad ist, erzählt:


„Mein Mann findet es sehr gut, dass ich hierher komme. Bevor ich ins Shehrazad gekommen bin, saß ich immer nur alleine zu Hause. Jeden Tag. Jahre lang. Das war sehr langweilig. Ich kannte ja fast niemanden. Wo hätte ich denn hingehen sollen? Jedenfalls sagt mein Mann immer, dass das Shehrazad für mich gebaut wurde. Wenn ich nach Hause komme, habe ich jetzt immer etwas Neues zu erzählen.“


Aus dieser Aussage wird deutlich, dass sie stolz darauf ist, wenn sie ihrem Mann zu Hause etwas Neues berichten kann und nicht immer diejenige ist, die von ihm etwas erklärt oder gezeigt bekommt.

Um den Zugang zu Heiratsmigrantinnen zu finden und das Angebot so auszugestalten, dass sie es wahrnehmen wollen und können, müssen bestimmte Vorraussetzungen erfüllt sein. Im Shehrazad ist zu beobachten, dass sich das Projekt in vielerlei Hinsicht an der Lebenssituation der Frauen orientiert. Das beginnt bereits bei der Ansprache. Wissend, dass die Frauen mit dem hiesigen sozialen System kaum vertraut sind und dass sie als Neuzuwanderinnen tendenziell eher vorsichtig, ängstlich oder misstrauisch sind, wird ein aufsuchender Ansatz der Ansprache gewählt. Man geht beispielsweise zu Spielplätzen oder anderen Orten, an denen sich junge Mütter aufhalten, und erwartet nicht etwa, dass die Frauen von alleine kommen. Die Ansprache richtet sich nicht nur an sie selbst, sondern auch an ihre Ehemänner, weil die Mitarbeiterinnen davon ausgehen, dass diese sich für ihre Frauen verantwortlich fühlen. Deshalb laden sie sie freundlich ein, sich das Projekt anzuschauen. Wenn sie dann kommen, nehmen sich die Mitarbeiterinnen viel Zeit, ihnen alles zu erklären. „Um das Misstrauen wegzukriegen und Vertrauen aufzubauen, muss man den Männern die Möglichkeit geben, uns kennen zu lernen. Damit kann man mögliche Hemmschwellen überwinden.“

Bei der Ansprache kommt ein weiterer wichtiger Faktor zum Tragen: die vielfältigen Sprachkenntnisse der Mitarbeiterinnen. Neben Deutsch spricht jede noch mindestens eine der Sprachen, die im Stadtteil häufig vertreten sind: Türkisch, Kurdisch und Arabisch. Dies ist nicht nur rein pragmatisch bei der Verständigung ein erheblicher Vorteil, es ist auch ein starkes Symbol für die Heiratsmigrantinnen: Gerade ich mit meiner speziellen Herkunft bin hier erwünscht und werde verstanden – und zwar nicht nur sprachlich.

Darüber hinaus ist das Projekt strukturell und inhaltlich auf die Lebenssituation und Bedürfnisse der jungen Mütter abgestimmt: Der zeitliche Rahmen ist so weit, dass ihnen die Ausübung ihrer Alltagspflichten, wie Kindererziehung oder Haushaltsführung nicht nur ermöglicht wird, sondern sie dabei auch vielfältige Unterstützung finden. Aus diesem Grund gibt es keine inhaltlichen Vorgaben. Die Zeit im Projekt wird je nach Wunsch der Frauen gefüllt.

Dadurch finden die Frauen hier genau das, was ihnen ansonsten fehlt. Außerfamiliäre Kontakte, Informationen über das neue Land und Austausch mit Frauen, die die gleiche Situation zu meistern haben wie sie: Mutter zu sein in einem neuen Land. Der Austausch hilft, die eigene Situation besser zu verstehen und zu verarbeiten. Die Heiratsmigrantinnen finden im Shehrazad einen Raum, an dem sie ihr Heimweh zeigen können, ohne befürchten zu müssen – wie es in manch anderen Kontexten der Fall ist – damit ihre Ehe zu belasten oder einen schlechten Eindruck von ihrer Schwiegerfamilie zu erzeugen.

Zwei Kurdinnen erzählten von den schönen Momenten der gemeinsamen Erinnerung im Projekt: „Das ist so: Wir sind ja hier in einem fremden Land. Und wenn ich dann hierher ins Shehrazad komme, kann ich mich wie zu Hause fühlen.“ „Ja, das stimmt. Ich treffe Leute aus meiner Heimat und dann hören wir Musik aus der Heimat, kochen etwas von zu Hause. Das ist wie ein Stück Heimat.“

Doch nicht nur die Möglichkeit, Frauen aus dem gleichen Kulturkreis zu treffen, empfinden die Frauen als Bereicherung. Sie hören auch gerne etwas über die Lebensweise und Kultur ihres neuen Heimatlandes Deutschland. Außerdem finden sie es interessant, wenn Migrantinnen aus anderen Ländern berichten. So erzählte eine kurdische Heiratsmigrantin: „Ich finde es sehr schön, andere Kulturen kennen zu lernen. Neulich war eine Frau aus Tunesien hier. Sie hat mir Hochzeitsfotos gezeigt und es war sehr interessant zu sehen, wie sie das alles machen.“

 

Dieser interkulturelle Austausch hat einen sehr positiven Nebeneffekt, der hilft, eines der größten Probleme der Heiratsmigrantinnen zu lösen. Um sich mit den Frauen aus anderen Ländern verständigen zu können, muss zwangsläufig deutsch gesprochen werden. Auch wenn die Deutschkenntnisse der meisten gering sind, ist Deutsch doch die einzige Sprache, die alle zumindest ein wenig können – und da auch viele andere nicht gut deutsch sprechen, ist die Angst, sich zu blamieren, relativ gering. Auf diese Weise steigt die Sprachkompetenz der Heiratsmigrantinnen ziemlich schnell.

Anders als zu Hause sind die Frauen im Shehrazad nicht so stark auf ihre Rolle als Mutter und Ehefrau festgelegt. Hier können sie mit Frauen ihres Alters über ihre Männer oder Schwiegermütter tratschen, über ihre eigenen Ziele und Wünsche diskutieren oder sich einfach nur gemeinsam bei Tanz oder Musik amüsieren. So entdecken sie, dass sie sich als Frauen und Mütter gar nicht so sehr von anderen Stadtteilbewohnerinnen unterscheiden, unabhängig davon, ob es sich nun um einheimische Deutsche oder um Frauen aus anderen Ländern handelt. Sie sehen, dass sich auch die anderen mit ähnlichen Themen beschäftigen und dass alle sich viel zu erzählen haben. Da die Frauen im Projekt gemeinsam ein Stück ihres Alltags teilen, fangen sie auch ganz automatisch an, einander zu unterstützen, und sich beispielsweise gegenseitig Tipps in Bezug auf Amtsangelegenheiten oder Fragen der Kindererziehung zu geben, Adressen für Kurse oder Kindertagesstätten auszutauschen oder auch nur günstige Einkaufsadressen weiter zu empfehlen. Eine Nutzerin erzählte: „Egal, wo wir Mütter herkommen, hier können wir uns unterhalten. Wir reden oft über die gleichen Themen und helfen uns untereinander, z.B. bei der Wohnungssuche oder bei Männerproblemen.“

Die Frauen setzen sich auf diese Weise mit ihren eigenen Standpunkten auseinander, beginnen z.B. überholte Erziehungsmuster zu hinterfragen oder anzupassen. Ein Mitarbeiter, der an der konzeptionellen Weiterentwicklung des Projektes beteiligt ist, erklärt diesen Effekt folgendermaßen: „Wenn man es schafft, dass die Mütter miteinander reden, wird jeder Mutter deutlich, dass es da vielleicht auch andere Ansichten gibt und dann kommt eine Diskussion zustande.“ So werden auch die Heiratsmigrantinnen in ihrer neuen Rolle im fremden Land sicherer, werden selbstständiger und selbstbewusster und lernen, sich mit Hilfe der anderen Frauen und der Mitarbeiter in Deutschland zu orientieren.

Eine der Mitarbeiterinnen betont, dass die Motivation der Frauen, den Treff aufzusuchen, in erster Linie auf dem Austausch und der Begegnung mit den anderen Frauen basiert. Sie sieht dies als Chance, an den Themen der Frauen pädagogisch und bisweilen auch weitervermittelnd anzusetzen:


„Die wollen quatschen, quatschen, quatschen. Von einem Thema zu dem anderen. Ich sehe unsere Aufgabe darin, zu horchen, horchen, horchen und auffangen. Das heißt, beim Zuhören die Themen rauszufiltern, die wir noch mal gezielt ansprechen sollten. Darauf kommt es an!“


Auch einige Heiratsmigrantinnen erzählten im Interview, wie der Austausch mit den anderen Frauen und Mitarbeiterinnen ihnen hilft: „Wenn ich ein Problem habe, dann rede ich mit den anderen Frauen hier darüber. Ich höre, was die anderen dazu sagen und wie sie es vielleicht machen. Das hilft mir. Auch mit den Mitarbeiterinnen kann ich über meine Probleme reden. Das hilft einem.“

Um der Isolation der Heiratsmigrantinnen noch offensiver zu begegnen, sieht das Projekt, je nach Interesse der Frauen, regelmäßig Ausflüge zu Orten vor, die für die Frauen und Kinder interessant sind, wie zum Beispiel zu einem Zirkus oder einem Abenteuerspielplatz. So erschließen sich die Heiratsmigrantinnen, die bislang oft nur ihre alltäglichen Wege zu den Einkaufsmöglichkeiten kennen, den weiteren Sozialraum und dessen Ressourcen. Im Schutz der Gruppe trauen sie sich mehr zu:


„Ich kenne mich hier auch noch nicht so gut aus. Wenn es hier irgendwo Feiern gibt, dann weiß ich das oft gar nicht. Und in einem Zirkus war ich vorher noch nie. Alleine wäre ich da bestimmt nicht hingegangen. Man sieht dann vielleicht, ah, das ist ein Zirkuszelt, aber ich gucke dann nur.“

Fazit

Wie das Projektbeispiel zeigt, sind die Hürden in der Arbeit mit Heiratsmigrantinnen längst nicht so hoch, wie oft befürchtet. Vielmehr zeigt sich, dass sie ein hohes Interesse haben, sich weiterzuentwickeln. Hat man erst einmal den Zugang zu ihnen gefunden, kommt es in der weiteren sozialraumorientierten interkulturellen Arbeit genau auf die gleichen Prinzipien an wie sonst auch: Empowerment, Lebenswelt- und Ressourcenorientierung sowie Flexibilität. Das Konzept der Sozialraumorientierten Sozialen Arbeit fordert eine Flexibilisierung bisheriger Arbeitsstrukturen, so dass sie den Bedürfnissen der jeweiligen Adressaten besser entsprechen. Sozialraumorientierung setzt zudem auf die Anerkennung und Stärkung individueller Fähigkeiten und auf die Mobilisierung der Ressourcen von sozialen Netzwerken und der wohnortnahen Infrastruktur. Zentral ist das konsequente Ansetzen an den Interessen der Adressaten. In einer durch Migration geprägten Gesellschaft impliziert dies, selbstverständlich auch die vielfältigen Lebenskonzepte von Menschen mit Migrationshintergrund aufzugreifen und die Ressourcen wahrzunehmen, die ethnische Netzwerke und Organisationen zu bieten haben (Vgl. Straßburger, 2008a und b).

Für Heiratsmigrantinnen scheint es besonders wichtig zu sein, dass sie im Rahmen sozialer Angebote eigene außerfamiliäre Beziehungen aufbauen können, die auf gegenseitiger Sympathie beruhen. Wichtig ist ihnen auch die Möglichkeit, sich unabhängig von sozialen Erwartungen, die in familiären Netzwerken an sie gestellt werden, unbefangen entfalten zu können. Sie suchen den Erfahrungsaustausch mit anderen Frauen, die in der gleichen Situation sind und sich gegenseitig Ratschläge geben können. Solche Gelegenheiten zur Vernetzung zu bieten, ist eine wesentliche Aufgabe in der Arbeit mit Heiratsmigrantinnen.

Literatur

Aydın, H, Sauer, M. & Akbıyıkoğlu-Orzesek, M. (2001). Heiratsmigration bei Türkinnen und Türken in Deutschland. Stiftung Zentrum für Türkeistudien. Essen.

Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration (2007). 7. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland. Berlin.

Kelek, N. (2005). Die fremde Braut: Ein Bericht aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland. Köln.

Straßburger, G. (2000). Das Heiratsverhalten von Personen ausländischer Nationalität oder Herkunft in Deutschland. In Sachverständigenkommission 6. Familienbericht (Hrsg.), Familien ausländischer Herkunft in Deutschland: Empirische Beiträge zur Familienentwicklung und Akkulturation. Materialien zum 6.Familienbericht (S. 9-48). Band I. Opladen.

Straßburger, G. (2003). Heiratsverhalten und Partnerwahl im Einwanderungskontext: Eheschließungen der zweiten Migrantengeneration türkischer Herkunft. Würzburg.

Straßburger, G. (2008a). Sozialraumorientierte Interkulturelle Arbeit. In Straßburger & Bestmann: Praxishandbuch für sozialraumorientierte interkulturelle Arbeit (S. 150-163). Bonn.

Straßburger, G. (2008b). Gleichberechtigung durch Sozialraumorientierte interkulturelle Arbeit. In Deutscher Caritasverband (Hrsg.), Integration verpflichtet – Die Beiträge der Caritas (im Druck). Verfügbar unter: http://www.caritas.de/52975.html. (18.12.2008)

Straßburger, G. & Bestmann, S. (2006). Sozialräumliche Zugänge zu Migrant(inn)en. Erfolgreiche Beispiele aus Berlin Neukölln. In LEBENSWELT gGmbH (Hrsg.), Jugendhilfe im interkulturellen Kontext. Migration und Sozialraumorientierung. Dokumentation der Fachtagung April 2006 (S. 10-15). Berlin.

Straßburger, G. & Bestmann, S. (2008). Praxishandbuch für sozialraumorientierte interkulturelle Arbeit. Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung (Hrsg.). Verlag Stiftung MITARBEIT, Bonn. verfügbar unter: http://www.buergergesellschaft.de/praxishilfen/sozialraumorientierte-interkulturelle-arbeit/106523/ (18.12.2008)

Straßburger, G., Ucan, M. & Witt, T. (2008). „‘Das ist wie für mich gemacht’ Wie sozialraumorientierte Angebote erfolgreich auf die Lebenssituation von Heiratsmigrantinnen reagieren“. In Migration und Soziale Arbeit 1, 62-68.

Witt, Tabea (2006). Faktoren für gelingende Arbeit mit sogenannten bildungsfernen Familien mit Migrationshintergrund am Beispiel des „Mutter-Kind-Treffs Shehrazad“ in Neukölln Nord, (unveröffentlichtes Manuskript).

Wolbert, B. (1984). Migrationsbewältigung: Orientierungen und Strategien - Biographisch-interpretative Fallstudien über die ‘Heirats-Migration’ dreier Türkinnen. Göttingen.

Endnoten

  1. Der Beitrag basiert auf einer Praxisforschung zu gelingenden familienunterstützenden Angeboten für Familien mit Migrationshintergrund im Berliner Bezirk Neukölln. Die Ergebnisse finden sich im Praxishandbuch für sozialraumorientierte interkulturelle Arbeit (Straßburger/ Bestmann, 2008). Es wendet sich an alle, die in der Kinder- und Jugendhilfe, in Schulen, im Quartiersmanagement, in der Stadtteilarbeit oder in Verbänden, Vereinen und Kommunen mit Familien arbeiten. Verfügbar unter: http://www.buergergesellschaft.de/praxishilfen/sozialraumorientierte-interkulturelle-arbeit/106523/ (18.12.2008)
    Alle Fotos in diesem Beitrag sind von Gisela Gürtler 2006 & 2007.
  2. Ein aktuelles Beispiel für diesen Diskurs liefert der Artikel „Nachzügler ohne Abschluss. Ein Fünftel der türkischen Frauen kommt aus Dörfern“, Berliner Zeitung 6.11.2008. verfügbar unter: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/1106/berlin/0072/index.html (18.12.2008)
  3. In den letzten Jahren ist der Ehegattennachzug sowohl zu deutschen wie zu ausländischen Ehegattinnen und -gatten zurückgegangen. So sind im Jahr 2004 noch insgesamt 51.552 ausländische Ehegattinnen und -gatten nach Deutschland nachgezogen, im Jahr 2005 reduzierte sich die Zahl auf 40.933; im folgenden Jahr waren es noch 39.585. Der Ehegattennachzug zu Deutschen ist in erheblich stärkerem Maße zurückgegangen als der Ehegattennachzug zu Ausländerinnen und Ausländern. 2006 sind die meisten Visa zur Ehegattenzusammenführung an türkische Staatsangehörige erteilt worden, gefolgt von Staatsangehörigen der Russischen Föderation, Thailand, Marokko und Serbien insbesondere aus dem Kosovo. Eine ähnliche Reihenfolge bestand auch in den Jahren 2004 und 2005. Siehe Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration (2007, S. 153).
  4. Hiervon dürfte sich die Situation von Heiratsmigrantinnen, deren Ehemann einheimischer Deutscher ist - was auf viele Heiratsmigrantinnen aus Südostasien zutrifft - in vielen Punkten unterscheiden. In diesem Artikel, der auf einer Studie in Berlin-Neukölln basiert, geht es dagegen in erster Linie um Heiratsmigrantinnen aus ehemaligen Anwerbestaaten der Bundesrepublik Deutschland und aus Herkunftsländern von in Deutschland lebenden (Bürgerkriegs-)Flüchtlingen.
  5. Informationen finden sich bei Wolbert (1984), Aydın u.a. (2001) und Straßburger (2003).
  6. Im Kontrast zu weiteren Aspekten des von Kelek verbreiteten Klischees steht auch eine Studie, die im Jahr 2000 vom Zentrum für Türkeistudien durchgeführt wurde (Aydın u.a. 2001). Sie zeigt, dass die meisten Heiratsmigrantinnen a) bei ihrer Ankunft in Deutschland 20 Jahre und älter sind (S.15) und b) zuvor augenscheinlich überwiegend in Regionen der Türkei gelebt haben, bei denen anzunehmen ist, dass alle Kinder mindestens acht Jahre zur Schule gehen (S.12f). Siehe hierzu auch: Straßburger/ Ucan/ Witt (2008).
  7. Der Name wurde geändert.
  8. An dieser Stelle wollen wir ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Situation von Heiratsmigrantinnen keineswegs zentraler Gegenstand dieser Untersuchung war. Vielmehr sind wir – wie eingangs geschildert – im Lauf der Untersuchung von Erfolgsfaktoren in der Arbeit mit Migrantenfamilien immer wieder auf Heiratsmigrantinnen gestoßen und haben uns daher zusätzlich mit der Frage befasst, warum das wohl so ist. Die hier präsentierten Ausführungen sind das Ergebnis unserer Überlegungen und in diesem Sinn als empirisch generierte Hypothesen zu verstehen, aber keineswegs als empirisch überprüfte.
  9. Shehrazad ist ein Projekt in öffentlicher Trägerschaft des Bezirks Neukölln und hat an fünf Tagen der Woche geöffnet.

Autorinnen

Kontaktadresse:

Gaby Straßburger
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
Köpenicker Allee 39-57
D-10318 Berlin
Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mailstrassburger@bitte-keinen-spam-khsb-berlin.de



Gaby Straßburger, geb. 1963, seit 2004 Professorin an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB) für das Fachgebiet Sozialraumbezogene Soziale Arbeit. Ihre Schwerpunkte: Soziale und integrative Stadtteilentwicklung / Interkulturelle Stadtteilarbeit/ Sozialraumorientierung in der Jugendhilfe / Zivilgesellschaft / Partizipation von Migrantinnen und Migranten. Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mailstrassburger@bitte-keinen-spam-khsb-berlin.de, Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.gaby-strassburger.de

Meryem Ucan, geb. 1976, Dipl. Sozialarbeiterin, seit 2006 wissenschaftliche Mitarbeiterin in diversen Praxisforschungsprojekten der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB). Ihre Arbeitsgebiete: Elternbeteiligung / Soziale und integrative Stadtteilentwicklung / Zivilgesellschaft / Community Organizing. Seit 2007 Sozialraumorientierte interkulturelle Arbeit an einer Grundschule in Berlin-Kreuzberg. Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mailmeryem_ucan@bitte-keinen-spam-web.de



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