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Editorial

[Forum Gemeindepsychologie, Jg. 12 (2007), Ausgabe 1]

Forum Gemeindepsychologie – Beiträge aus Forschung und Praxis

Forum Gemeindepsychologie veröffentlicht Texte aus Forschung, Lehre und Praxis psychosozialer Arbeitsfelder. Neben der psychologischen Perspektive wird besonderer Wert auf den Bezug zur Lebenswelt, den gesellschaftspolitischen Kontext und auf die Perspektive der Adressaten und Adressatinnen professioneller Hilfeangebote gelegt.

Die erste Online-Ausgabe bietet eine Auswahl von Artikeln, die in den letzten 12 Jahren im „Gemeindepsychologie Rundbrief“ erschienen sind. Der Rundbrief, die Mitgliederzeitschrift der Gesellschaft für gemeindepsychologische Forschung und Praxis (GGFP), hat sich im Laufe seiner Geschichte zu einer wichtigen Plattform entwickelt, mit der gemeindepsychologische Diskurse repräsentiert und vorangetrieben wurden. Unser Dank gilt hierfür den bisherigen Herausgebern, Jarg Bergold, Heiner Keupp, Albert Lenz und Bernd Röhrle, die mit viel Engagement das Erscheinungsbild und die Inhalte des Rundbriefs gestaltet haben, sowie allen Gastherausgeberinnen und Gastherausgebern. Forum Gemeindepsychologie wird die Tradition des Rundbriefs fortsetzen, als „Open Access“ Online-Veröffentlichung sind die Artikel nun weltweit frei verfügbar und lesbar.

Die Textauswahl dieser Ausgabe soll interessierten Leserinnen und Lesern aus den Bereichen Psychologie, Pädagogik, Medizin, Gesundheitsförderung, der Sozialen Arbeit und angrenzenden Gebieten einen Einblick in die Themen und Inhalte der gemeindepsychologischen Diskussion geben. Die Auswahl fiel nicht leicht und um das gesamte Spektrum der Inhalte abzubilden, fehlte der Platz.

Der Beitrag von Heiner Keupp (2006) thematisiert die wachsende Armut und deren gesundheitliche Konsequenzen. Der Autor macht deutlich, dass nicht nur Armut im Sinne eines materiellen Defizits, sondern vor allem fehlende gesellschaftliche Teilhabemöglichkeiten (Exklusion) die gesundheitliche Lage beeinträchtigen. Die psychotherapeutische Grundversorgung stabilisiert die Ungleichheit, weil ihre Angebote kaum von den ärmeren Teilen der Gesellschaft genutzt werden.

Eine zukunftsweisende Antwort für die Exklusionsproblematik bietet das Konzept der Sozialraumorientierung, eine Idee, die auf die Gemeindeorientierung psychosozialer Hilfen setzt. Irmgard Köster-Goorkotte (2005) zeigt am Beispiel der Arbeit einer Erziehungsberatungsstelle, wie Stadtteilarbeit und Lebensweltbezug in der Kinder- und Jugendhilfe umsetzbar sind.

Menschen mit Psychiatrieerfahrung erfahren häufig Ausgrenzung in Form von Vorurteilen, Stigmatisierung und Diskriminierung, die medial vermittelten Bilder von psychiatrisierten Menschen sind eng verbunden mit Gewaltdarstellung. Giese, Eckhard, Anke Brückner, Daniel Güther, Ulrike Holzschuh, Christina Otto & Christiane Schreiber (2005) berichten über ein Schulpräventions-Projekt, in dem sich Schülerinnen und Schüler ein realistisches Bild von „Psychischer Krankheit“ erarbeiten. Das Programm wurde im Sinne des trialogischen Prinzips gemeinsam von Professionellen, Angehörigen und Betroffenen entwickelt.

Der Umgang mit verrückten Verhaltensweisen ist stark von kulturellen Einflüssen abhängig.  Manfred Zaumseil & Hella Lessmann (2003) beschreiben in ihrer empirischen Studie die Art und Weise, wie Angehörige und Nachbarn in Zentraljava mit psychisch kranken Menschen umgehen. In den Interviews und Beobachtungen zeigen sich vier kulturspezifische Haltungen gegenüber psychischer Krankheit, die in Bezug auf ihre Möglichkeiten und Grenzen diskutiert werden.

Gemeindepsychologische Konzepte und Haltungen wie Salutogenese, Ressourcenorientierung, Empowerment, Partizipation und Netzwerkorientierung stellen eine Bereicherung für die Beratungspraxis dar. Bernd Röhrle (2001) zeigt, dass mit Hilfe dieser Konzepte die aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen, etwa die Individualisierung und Pluralisierung von Lebensformen, im professionellen Handeln und Reflektieren psychosozialer Praxis berücksichtigt werden können.

Konkrete politische Vorschläge zur Stärkung der Gesundheitsförderung in einem präventiven Sinne entwickeln Alf Trojan & Heiner Legewie (2000). Die Autoren berücksichtigen dabei rechtliche, finanzielle und organisatorische Faktoren, integrieren die Perspektive der Nutzer/innen im Sinne der politischen Partizipation und machen sich Gedanken zur Qualitätssicherung einer dialogorientierten Gesundheitsförderung.

Luise Behringer (1998) beschäftigt sich mit dem Problem der Lebensführung auf dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungsprozesse. Anhand einer qualitativen Studie erarbeitet sie verschiedene Typen der alltäglichen Identitätskonstruktion. Es zeigt sich, dass durch den Verlust von klaren Rollenanweisungen und gesicherten Laufbahnen die Anforderungen an die kreativen Herstellungs- und Vermittlungsleistungen des Subjekts steigen.

Die folgenden Ausgaben des Forum Gemeindepsychologie werden sich unter anderem dem Theorie-Praxisdialog und europäischen Entwicklungen der Gemeindepsychologie widmen. Speziell zu diesen, aber auch anderen Themen laden wir ein, Artikel einzureichen.

Zum Schluss noch ein paar Worte zu den neuen Strukturen der Zeitschrift. Herausgeber ist der Vorstand der GGFP, die Redaktion besteht aus Asita Behzadi (Berlin), Christine Daiminger (Berlin), Anja Hermann (Berlin), Ralf Quindel (Berlin) und Mike Seckinger (München). Zur Qualitätssicherung der eingereichten Texte wurde ein Reviewverfahren mit Gutachterinnen und Gutachtern aus Forschung, Lehre und Praxis eingerichtet.

Die Redaktion



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