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Editorial

[Forum Gemeindepsychologie, Jg. 20 (2015), Ausgabe 1]

Praxisreflexionen

Fragen, mit denen sich die Praxis der Sozialen Arbeit beschäftigt, beinhalten viele Parallelen zu den Themen der Gemeindepsychologie: In beiden Bereichen wird individuelles Erleben und Verhalten im Zusammenhang mit dem Sozialen Kontext gesehen. Im Unterschied zu einer individualisierenden Perspektive wird auf Basis sozialer Dimensionen und politischer Positionierung nach Erklärungen, aber auch Unterstützungsmöglichkeiten gefragt. Die Nutzung von Netzwerken zur Lebensbewältigung sowie die Ermächtigung zu gesellschaftlicher Partizipation im Sinne des Empowerment spielen in der Gemeindepsychologie ebenso eine wichtige Rolle wie in vielen Theoriezugängen und Praxisfeldern Sozialer Arbeit. Gemeinsame Ziele von Gemeindepsychologie und Sozialer Arbeit lassen sich vielleicht in dem Begriff "gesellschaftliche Teilhabe" fassen. Dazu gehört die Suche nach Verständigung, die politische Einmischung ebenso wie das Aufspüren von Handlungspraxen, die Partizipation eher behindern als förderlich sind.

Die Artikel in dieser Ausgabe des Forum Gemeindepsychologie sind von AutorInnen aus der Praxis der Sozialen Arbeit verfasst und folgen dem Leitmotiv der Beachtung des Kontextes menschlichen Verhaltens und Erlebens sowie des politischen Blickes auf menschliche Probleme.

In Ihrem Beitrag "Vom Sinn des Regens: Erfahrungen mit einem sozialpädagogischen Gruppenangebot für wohnungslose Frauen" verbindet Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterUte Koop Soziale Arbeit und psychologisches Verstehen auf intensive Weise, indem sie von einer Gruppenarbeit berichtet, die für Frauen ohne festen Wohnsitz geplant war. Hier zeigt sich einerseits, wie wichtig die Berücksichtigung und das aktive Einbeziehen der Adressatinnengruppe ist, andererseits, welche wichtigen und bereichernden Schlussfolgerungen der Rückgriff auf eine gruppendynamische und psychoanalytische Deutung des realen Geschehens in sich birgt. Hier werden konkrete Soziale Dimensionen mit den Erkenntnissen über symbolische Prozesse und die Notwendigkeit eines verstehenden Zugangs und Arbeitens verbunden.

Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterStefanie Kneller stellt in dem Beitrag "Professionelle Familie?! Pflegefamilien im Spannungsfeld von Professionalität und Familiarität" kritische Fragen zur Organisation des Pflegekindersystems und verdeutlicht, wie die Faktoren "Familiarität" und "Professionalität" in diesem Praxisfeld nur als untrennbare Einheit verstanden werden können, die jedoch auch innere Widersprüche auslöst.

In dem Beitrag "Soma - Neue Wege in Richtung inkludierende Soziale Arbeit und Sozialpsychiatrie" lässt Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterViktoria Hofer die LeserInnen an einer Reise teilnehmen, die nach Brasilien führt und Einblicke in eine anarchistische Therapieform ermöglicht, die ein gemeindepsychologisches Prinzip, den Rückgriff auf Selbsterfahrungs- und Selbsthilfegruppen beinhaltet. Hier soll Erkrankung und Psychiatrisierung durch einen psychologisch und politisch wirksamen Gruppenprozess mit dem Ziel eines weniger entfremdeten, solidarischen Lebens entgegengewirkt werden.

Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterMiriam Burzlaff und Naemi Eifler erinnern in "Deutsche Asylpolitik, Proteste Geflüchteter und ein Schweigen Sozialer Arbeit" an das politische Mandat der Sozialen Arbeit. Angesichts der aussichtslosen Lage, in der sich Flüchtlinge zunehmend in Deutschland und der EU befinden, erscheint eine Positionierung von Sozialen Berufen überfällig. Die Autorinnen liefern eine Analyse der derzeitigen Bedingungen und Vorgehensweisen und mahnen die Verantwortung von Sozialen Berufen an, eine Forderung, die sich ebenso an die Soziale Arbeit wie an die Gemeindepsychologie richtet.

Die Forderung nach einer Positionierung in Bezug auf rassistische Gewalt greift Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterEdith Porath in dem Beitrag "Beratung für Betroffene rechter Gewalt" auf. Das Konzept der Parteilichkeit aus der Frauenarbeit wird auf die Unterstützung von Opfern rechter Gewalt übertragen. Hier zeigt sich auch, wie die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von rassistischen Gewalttaten als sekundäre Traumatisierung der Opfer wirksam werden können.


Ralf Quindel und Tamara Musfeld (Gastherausgeberin)



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