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Editorial

[Forum Gemeindepsychologie, Jg. 15 (2010), Ausgabe 2]


Das Patch-werk des Heiner Keupp
Grundlagen und Perspektiven zum Aufrechten Gang

Die Emeritierung Heiner Keupps war ein nicht ganz zufälliger Anlass, aber nicht der wirkliche Grund für diese Beitragssammlung. Wir wollen mit diesem Sonderheft nicht an einen großen Hochschullehrer und Gründer der deutschen Gemeindepsychologie erinnern, sondern diesen Ort nutzen, um die Vielzahl der von ihm ausgehenden und uns so wichtigen Konzepte und Theorien zu benennen. Diese Beitragssammlung soll die ungeheure Anregungskraft seines Denkens und Netzwerkens veranschaulichen. Uns interessierte, welche Spuren die Auseinandersetzung mit Heiner, seinen zentral bedachten und geförderten Themen und Ideen bei uns hinterlassen hat, wie sie bei uns weiter gewirkt haben und welche Themen sich für uns daraus weiter entwickelt haben?

Aus diesen Überlegungen ist die Idee zu einem kleinen Meta-Werk entstanden. Dazu haben wir Weggefährten und Schüler/innen angefragt, die von seinem Denken, seinen Positionen, seinen kritischen Fragen und Diskussion angeregt wurden und daraus viele ihrer theoretischen wie empirischen Schwerpunkte entwickelt haben.

Anknüpfungspunkt sollten zwei zentrale Fragen sein, die sich durch Heiners Denken ziehen:

  • Wie ist das moderne Subjekt inmitten der sich wandelnden Gesellschaft des 20./21. Jahrhunderts zu verstehen?
  • Wie können Benachteiligte oder von Benachteiligung bedrohte Menschen ihr Schicksal meistern, wo kann man/Gesellschaft etwas tun, um Benachteiligung aufzuheben/zu lindern?

Entstanden ist daraus kein homogenes und auch kein vollständiges Werk, bei dem systematisch diese Fragen abgearbeitet werden und das sich durch eine immer wiederkehrende Anordnung gleicher Webmuster auszeichnet. Wir haben eher gemeinsam an einem "crazy quilt" gewoben, dessen Bestandteile zwar eine erkennbare Struktur aufweisen, die aber jeweils einer eigenen Logik folgen. Wir haben diese eigenen Logiken der Beiträge bewusst so gelassen, da sie zum einen die Vielfältigkeit eines spätmodernen Werks ausmacht und zum anderen die unterschiedlichen Beziehungen der Verfasser/innen zu Heiner widerspiegelt, die allesamt von großem Respekt vor seiner Person und seinem Werk gekennzeichnet sind.

Um die Kohärenz dieses "crazy quilt" deutlich zu machen, haben wir die vierzehn Beiträge vier Themensträngen zugeordnet:

(I) Jenseits des Mainstreams - aus dem gesellschaftskritischen Denken schöpfen
Heiners Denken vollzog sich immer mit kritischem Blick auf den Mainstream. Er zog seine kreativen Gedanken aus Theorien und Denkschulen auch jenseits der Mitte des akademischen und fachlichen Diskurses und hat eine Reihe dieser Perspektiven mitgeprägt und damit der Einseitigkeit des Mainstreams erfolgreich entgegengewirkt:
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterAnti-, Gemeinde- und Sozialpsychiatrie (Ernst von Kardorff)
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterGemeindepsychologie (Mike Seckinger)
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterPsychoanalyse (Gudrun Brockhaus)

(II) Lebenswelten verstehen und Empowerment fördern
Menschen in ihrem Handeln zu verstehen, erfordert zunächst, die subjektiven Lebenswelten zu erkennen. Was prägt Menschen und was brauchen sie für einen gelingenden Lebensentwurf? Wie können Menschen auch jenseits durch Herkunft und Lebenslage geprägter gesellschaftlicher Chancen, gelingendes Leben finden?
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterSoziale Netzwerke (Bernd Röhrle)
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterEmpowerment (Ralf Quindel)
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterPartizipation (Albert Lenz)
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterSalutogenese und Kohärenz (Renate Höfer)

(III) Leben als Patchwork
Die Wirklichkeit kennt keine einfachen Muster. Alltägliches Leben wird geprägt durch ein Zusammenspiel von Normalitätskonstruktionen und dem Umgang von Mehrheiten mit Minderheiten. Wie sieht dieses Patchwork Leben aus, wie ist es zu verstehen?
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterAlltag, alltägliche Lebensführung (Luise Behringer)
Öffnet einen internen Link im aktuellen Fenster(K)eine Normalität - Homosexualität (Phil Langer)
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterPatchwork Identität (Wolfgang Kraus)

(IV) Institutionelle und gesellschaftliche Rahmenbedingungen
Welche exemplarischen Rahmenbedingungen braucht es, um unter unübersichtlichen, ungleichen und widersprüchlichen Bedingungen "überleben" zu können?
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterInstitutionelle Hilfen am Beispiel der Erziehungsberatung (Reinhard Rudeck)
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterInstitutionelle Hilfen am Beispiel der Selbsthilfe (Monika Bobzien)
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterHochschule als anderer Ort des Denkens und Handelns (Wolfgang Stark)
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterEngagement in der Zivilgesellschaft (Florian Straus)

Der tschechische Dichter und (Ex-)Präsident Václav Havel hat einmal formuliert, dass Hoffnung nicht die Überzeugung sei, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht. In diesem Sinn war Heiner für uns nicht wie manche Ordinarien und Weggefährten jemand, der die Hoffnungspotenziale definiert, sondern er ist jemand, auf dessen Ideen, Tipps und theoretische Anregungen wir uns immer verlassen konnten.


Luise Behringer, Renate Höfer, Florian Straus (Hg.)



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